Ungiftige Pflanzen: So gestalten Eltern einen sicheren Familiengarten
Eltern, die den Familiengarten neugestalten oder den Balkon begrünen möchten, sollten bei ihrer Auswahl genau hinsehen, denn viele beliebte Pflanzen können für Kleinkinder und Haustiere gefährlich werden. Das heißt nicht, dass ein kinderfreundlicher Garten steril oder leblos sein muss. Es gibt eine Vielzahl ungiftiger Pflanzen, mit denen sich ein bunter, abwechslungsreicher und sicherer Familiengarten gestalten lässt.
Vergiftungsunfällen im Garten vorbeugen: Warum kindersichere Bepflanzung so wichtig ist
Beliebte Pflanzen für Balkon und Garten wie Engelstrompete oder Rittersporn können bei Kindern, die sie in den Mund nehmen, zu schweren Vergiftungen führen. Dafür reichen schon geringe Mengen verschiedener Pflanzenteile wie Samen oder Beeren. Viele andere Pflanzen sind zwar nicht giftig, aber ihre Dornen, spitzen Blätter oder ihr Milchsaft können zu Verletzungen oder Schleimhautreizungen führen.
Eltern sollten sich deshalb vor dem Kauf über Giftpflanzen informieren. Eine erste Hilfestellung bietet zum Beispiel unsere Giftpflanzendatenbank, in der Sie die giftigsten Pflanzen in Haus und Garten finden.
Ungiftige Pflanzen für den Familiengarten
Vergiftungsunfälle lassen sich durch eine sorgfältige Auswahl der Pflanzen leicht vermeiden. Unsere Positivliste hilft Eltern dabei, einen familienfreundlichen Garten zu gestalten:
Ungiftig bedeutet nicht automatisch bedenkenlos essbar. Viele Pflanzen können Magenbeschwerden verursachen oder sind einfach nicht zum Verzehr gedacht. Kinder sollten deshalb früh lernen, im Garten nichts eigenständig zu probieren, sondern nur gemeinsam mit Erwachsenen und nach klarer Absprache.
Positivliste zum Ausdrucken
In dieser druckbaren Liste finden Sie ungiftige Blumen und Gehölze, die sich für einen Garten eignen, in dem sich Kinder und Haustiere aufhalten.
So gestalten Sie einen kinderfreundlichen Garten: der 5-Zonen-Plan
- Spielzone: Der wichtigste Bereich in einem kinderfreundlichen Garten ist die Fläche, auf der Kinder spielen. Hier sollten sich ausschließlich ungiftige Pflanzen befinden. Sträucher mit giftigen Beeren oder Dornen zum Beispiel gehören nicht direkt an Sandkästen oder Trampolinränder. Je kleiner die Kinder, desto größer sollte der Spielbereich sein.
- Naschgarten: In einem Nasch- und Gemüsegarten sollte Essbares stehen, das Kinder sicher identifizieren können, zum Beispiel Erdbeeren. Fallobst sollte regelmäßig entfernt werden, da es Wespen anzieht und Rutschgefahr entstehen kann.
- Blumenbeete: Für bunte Farbtupfer sollten ungiftige und pflegeleichte Zierpflanzen gewählt werden. Sie eignen sich hervorragend, um gemeinsam mit Kindern gesät, gepflegt und gepflückt zu werden.
- Duft- & Kräutergarten: Duftende Pflanzen sind für Kinder besonders spannend. Sie können gemeinsam gepflückt und in der Küche verarbeitet werden. Es sollten Kräuter gewählt werden, die robust und aromatisch sind und schnell wachsen, zum Beispiel Lakritztagetes oder Zitronenmelisse. Bei Kräutern mit intensiven ätherischen Ölen (z. B. Oregano) kann es bei empfindlichen Kindern zu Hautreizungen kommen.
- Abgegrenzter Gartenbereich: Wer bei der Gestaltung des Gartens nicht auf problematische Pflanzen verzichten möchte, sollte sie möglichst außer Reichweite von Kindern pflanzen und klar abgrenzen, zum Beispiel durch einen Zaun. Auf stark giftige Pflanzen wie Fingerhut oder Eisenhut sollte jedoch auch in dieser Zone verzichtet werden.
Tipp: Vorsicht auch bei Frühblühern
Auch viele Frühblüher haben giftige Bestandteile. Eltern von Kleinkindern aber auch Haustierbesitzer und -besitzerinnen sollten deshalb genau hinsehen, welche Blumenzwiebeln sie im Herbst ins Beet oder den Balkonkasten setzen. Hier erfahren Sie, auf welche Frühjahrsboten Sie verzichten sollten.
Erste Hilfe bei einer Vergiftung durch giftige Pflanzen
Hat ein Kind doch einmal Pflanzenteile verschluckt und treten Vergiftungserscheinungen auf, sollten Sie folgendermaßen vorgehen:
- Ruhe bewahren und nicht in Panik geraten!
- Restliche Pflanzenteile aus dem Mund entfernen und aufbewahren oder ein Foto der Pflanze für den ärztlichen Notdienst machen.
- Die Nummer der zuständigen Giftnotrufzentrale wählen. Speichern Sie vorab die für Sie geltende Nummer im Smartphone, damit Sie im Notfall schnell darauf zugreifen können. Kontaktieren Sie den Notruf 112, wenn bereits starke Vergiftungserscheinungen wie heftige Übelkeit, Benommenheit oder andere Symptome aufgetreten sind.
- Verzichten Sie auf Hausmittel wie zum Beispiel Milch. In manchen Fällen kann sie die Aufnahme des Giftes im Darm beschleunigen.
- Bei Anzeichen einer leichten Vergiftung sollte das Kind ausreichend kohlensäurefreies Wasser trinken. Es verdünnt das Gift und spült es von den empfindlichen Schleimhäuten des Rachens.
- Auch die Gabe von Medizinkohle wird empfohlen. Sie saugt das Gift im Magen auf und wird auf natürlichem Wege ausgeschieden.
- Führen Sie ein Erbrechen Ihres Kindes nicht aktiv herbei. Es gibt nur wenige Vergiftungsfälle, bei denen eine Magenentleerung durch Erbrechen der richtige Weg ist. Ob dies in Ihrem Fall zutrifft, erfahren Sie beim Giftinformationszentrum (GIZ).
So wird der Garten kindersicher
Ein kindersicherer Garten endet nicht bei der Auswahl ungiftiger Blumen und Sträucher. Auch Wasserstellen, Spielgeräte oder herumliegende Geräte sind typische Gefahrenquellen. Wir verraten Ihnen hier, was einen sicheren „Kindergarten“ ausmacht.
Wo erhalte ich weitere Informationen?
Mehr hilfreiche Tipps zum Thema „Giftpflanzen“ enthält die kostenlose Broschüre "Achtung, giftig! Kinder vor Vergiftungsunfällen schützen“. Hier erfahren Eltern, wie sie ihre Kinder auch vor anderen Vergiftungsgefahren wie Chemikalien oder Medikamenten schützen können und was zu tun ist, wenn ein Kind Vergiftungserscheinungen zeigt.
Die App „Vergiftungsunfälle bei Kindern“ des Bundesamtes für Risikobewertung (BfR) bietet weitere nützliche Informationen zu Pflanzen und Pilzen, chemischen Produkten und Medikamenten. Sie kann in den Android und iOS App-Stores sowie auf den Seiten des BfR kostenlos heruntergeladen werden.
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