Reise mit einem Pflegebedürftigen

Pflegende Angehörige brauchen regelmäßig eine Auszeit, um selbst bei Kräften zu bleiben. Doch viele Angehörige gönnen sich keine Pause; sie plagt das schlechte Gewissen, wenn sie die Betreuung des Pflegebedürftigen in fremde Hände geben. Dann kann eine gemeinsame Reise eine Option sein.

„Pflegereisen sind noch kein Angebot, das in die Breite reicht“, beobachtet Patrick Nieswand vom Arbeiter-Samariter-Bund Deutschland in Köln. Die Vorbereitung ist daher aufwändig, denn zum Beispiel barrierefreie Angebote sind nirgends auf einen Blick zu finden und untereinander schwer vergleichbar. Und: „Bei der Planung müssen so viele Details berücksichtigt werden, dass die Vorbereitung und auch die Beratung fünf- bis zehnmal so lange dauert wie bei der Buchung einer Reise von jemandem, der keine Beeinträchtigungen hat“, sagt Hanna Ursin, Reisekoordinatorin beim Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter in Krautheim bei Stuttgart.

Für pflegende Angehörige ist die Organisation mithilfe eines Reiseveranstalters daher eine große Erleichterung. Dabei muss es nicht immer teuer sein. Gemeinnützige Organisationen wie „Urlaub und Pflege e. V.“ in Telgte bei Münster, der Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter (BSK) oder die regionalen und örtlichen Alzheimer Gesellschaften organisieren Individual- und Gruppenreisen für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen ins In- und Ausland. Auch die Wohlfahrtsverbände haben einzelne Angebote, so Nieswand: „Der ASB Allgäu arbeitet mit einem Hotel zusammen, das mit Pflegebetten und Hilfsmitteln aller Art ausgestattet ist. Bei Bedarf kann der Transfer über einen Fahrdienst organisiert werden.“

 

Kanaren-Reise oft einfacher und günstiger

Tatsächlich ist die Anreise die erste Hürde. „Bei unseren Kunden sind die Kanarischen Inseln und andere Ziele in wärmeren Regionen – etwa Griechenland oder Mallorca – besonders beliebt. Ein wichtiger Grund dafür ist, dass die Anreise vergleichsweise kurz ist. Und es ist leider die traurige Wahrheit, dass ein Flug auf die Kanaren finanziell günstiger und einfacher abzuwickeln sein kann als eine individuelle Reise irgendwo innerhalb von Deutschland“, berichtet Reisekoordinatorin Ursin. Bei einer Bahnreise ist das oft notwendige Umsteigen schwierig, umfangreiches Gepäck ein zusätzliches Hindernis. Eine Autofahrt kann für den Angehörigen eine hohe Belastung sein.

Bei der Wahl der Unterkunft sind die Bedürfnisse des Pflegebedürftigen entscheidend. „Zuerst muss überlegt werden, welche Voraussetzungen am Reiseziel gegeben sein müssen“, rät Ursin. „Pflegebetten und andere Hilfsmittel kann man überall mieten. Doch das muss im Vorfeld organisiert werden. Und man sollte sich die Verfügbarkeit schriftlich vom Hotel oder auch vom Reiseveranstalter bestätigen lassen.“

Damit die Reise für den pflegenden Angehörigen tatsächlich ein Erholungsurlaub wird, ist vor Ort Entlastung gefragt. Für die Zeit des Aufenthalts kann ein Pflegevertrag mit einem ambulanten Dienst abgeschlossen und innerhalb der Verhinderungspflege abgerechnet werden. Viele Veranstalter bieten alternativ die Urlaubsbegleitung durch eine Pflegekraft an. Doch dieser Service hat ebenso wie die gesamte Reise seinen Preis. „Die Reise an sich ist nicht zwangsläufig teurer als jede andere Pauschalreise auch. Doch durch die Miete von Hilfsmitteln und eventuell notwendige Transfers können so hohe Zusatzkosten entstehen, dass sich das nicht jede Familie jährlich leisten kann“, urteilt die Reisekoordinatorin.

 

Weitere Informationen

Übersicht über Reiseveranstalter für barrierefreies Reisen:

  • www.reiselinks.de, Rubrik „Behindertenreisen“
  • www.natko.de, Suchmöglichkeit nach Ländern und Regionen, aber auch Art der Beeinträchtigung – Rubrik „Reiseinfos“
  • www.bsk-ev.org, Reisen im In- und Ausland, auch mit Betreuung
  • www.bad-ev.de, Unterstützung bei der Betreuung vor Ort

Quelle: „Zu Hause pflegen – gesund bleiben!“ Infobrief für pflegende Angehörige
Ausgabe Sommer 2013
Herausgeber: Aktion DAS SICHERE HAUS und Partner