Mit Pflegetagebuch zum Pflegebedarf zum Pflegegrad

Der Leistungsanspruch bei der gesetzlichen Pflegeversicherung hängt von der Selbstständigkeit der pflegebedürftigen Person ab. Das Führen eines Pflegetagebuchs hilft dabei, den Unterstützungsbedarf möglichst genau festzustellen.  

Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) ermitteln den augenscheinlichen Pflegebedarf bei der Pflegebegutachtung. Nach Antragstellung verschaffen sie sich bei einem Hausbesuch einen Eindruck vom Pflegeaufwand, den der Antragsteller tatsächlich haben könnte. Aufgrund der eingeschränkten Zeitspanne für die Erhebung vor Ort kann das Urteil zu Gunsten, aber auch zu Ungunsten der zu pflegenden Person ausfallen. Ein gut geführtes Pflegetagebuch ist dann eine große Hilfe. Es dient als Dokumentation vergangener Leistungen und gleichzeitig als Gedächtnisstütze während der Begutachtung. Nicht selten wollen Pflegebedürftige sich bei ihrem Besuch von der besten Seite zeigen und können plötzlich Handlungen allein, bei denen sie sonst Unterstützung benötigen. Auf das Gutachten kann dies einen negativen Einfluss haben.

Seit 2017 zählt für die Ermittlung des Pflegegrads vor allem die Selbstständigkeit der zu versorgenden Person. Zuvor war der zeitliche Aufwand ausschlaggebend, sodass Pflegende die Versorgung minutiös dokumentieren mussten.

Aufbau eines Pflegetagebuchs

Die Aktivitäten des täglichen Lebens sind zur Bestimmung des Pflegegrads in sechs Lebensbereiche unterteilt: Mobilität, kognitive und kommunikative Fähigkeiten, Verhaltensweisen und psychische Problemlagen, Selbstversorgung, Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen und Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte. Jeder Bereich wird einzeln bewertet und geht mit einer bestimmten Gewichtung in die Gesamtbewertung ein. Zu jedem Bereich gehören unterschiedliche Aspekte, deren Zeitaufwand und Unterstützungsbedarf in das Pflegetagebuch eingetragen werden können. Zum Beispiel dokumentieren Pflegende, wie lange die morgendliche Körperpflege oder auch die Interaktion mit anderen Personen dauert und inwiefern Hilfe nötig ist. Oft erfahren pflegende Angehörige hierbei zum ersten Mal selbst, wie viel Zeit sie eigentlich mit der Versorgung der nahestehenden Person verbringen.

Das Führen eines Tagebuchs über die Selbstständigkeit und den Hilfebedarf zu Pflegender ist anfangs sehr aufwendig. Im Fokus steht jedoch, dass dadurch der Pflegegrad besser ermittelt werden kann und Pflegende sich daraufhin Entlastung durch die zustehenden Leistungen der Pflegeversicherung verschaffen können.

Ein Pflegetagebuch, zum Herunterladen aus dem Internet oder als gedrucktes Exemplar, bietet unter anderem der Sozialverband Deutschland an. Das Buch enthält zusätzliche Informationen und hilfreiche Tipps rund um die Leistungen der Pflegeversicherung, Anträge und Unterstützungsangebote.

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Stand der Informationen: Herbst 2018