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die Tagespflege als Angebotsform

etabliert hat – laut der im Januar 2017

veröffentlichten Pflegestatistik 2015

gab es hier rund 51.400 verfügbare

Plätze, waren es in der Nachtpflege

nur magere 417. Auch interessant:

Von 2013 bis 2015 ist die Zahl der

verfügbaren Plätze in Einrichtungen

der Tagespflege um knapp 14 Prozent

(7.800 Plätze) gestiegen, die Zahl

der Plätze in der Nachtpflege sank

dagegen von 564 auf besagte 417. In

Anspruch genommen wurden davon

2015 nur 42 Plätze.

Was können die Gründe dafür sein?

Dr. Matthias Faensen, Präsidiumsmit-

glied des Bundesverbandes privater

Anbieter sozialer Dienste e. V., sieht

keinen Bedarf für die Nachtpflege. Ge-

genüber „Zu Hause pflegen – gesund

bleiben!“ sagt er: „Welche Lebenssitu-

ation wäre denn vorstellbar, in der ein

Pflegebedürftiger nur nachts betreut

werden muss? Meistens handelt es

sich doch um Demenzkranke. Stellen

Sie sich vor, der Pflegebedürftige wird

abends aus der ihm vertrauten Woh-

nung in eine Einrichtung gebracht, nur

um dort zu schlafen. Ich denke, ein

Demenzkranker wird darauf mit noch

mehr Verwirrung, Unruhe und Ängst-

lichkeit reagieren. Wenn es einen Be-

darf für Nachtpflege geben würde,

hätte der Markt längst reagiert und

solche Angebote geschaffen. Dies ist

aber nicht der Fall.“

Ivonne Festerling, Beraterin im Pflege-

stützpunkt Hamburg-Rahlstedt, sieht

es ähnlich, differenziert aber: „Wir

haben kaum eine Nachfrage nach

der teilstationären Nachtpflege, aller-

dings wünschen sich mehr Menschen

eine ambulante Nachtpflege, als

dies in Hamburg angeboten werden

kann. Es gibt kaum Pflegedienste, die

Nachtpflege im Angebot haben.“

Ein Angebot also, das kaum einer

braucht? Für die teilstationäre Nacht-

pflege scheint das zuzutreffen – vie-

len Angehörigen fällt es vermutlich

schwer, ihren pflegebedürftigen Ange-

hörigen abends „wegzugeben“. Oder

aber, so vermutet Ivonne Festerling,

„diejenigen, die auch in der Nacht

gepflegt werden müssen, entschei-

den sich häufig eher für einen Platz

im Pflegeheim, weil es für sie und alle

anderen Beteiligten oft die beste Lö-

sung ist.“ Die ambulante Nachtpflege

hingegen könnte sich, wäre sie be-

kannter und das Angebot größer, als

weitere Möglichkeit etablieren, den

häuslichen Pflegealltag zu entlasten.

Dr. Susanne Woelk, DSH, Hamburg/

Adrienne Kömmler, freie Journalistin,

Berlin.

Weitere

Informationen

Verzeichnisse regionaler Pflege-

einrichtungen sowie deren Leis-

tungs- und Preislisten gibt es

bei den Pflegekassen. Adressen

lassen sich auch jeweils bei der

Krankenkasse oder bei Pflege-

stützpunkten erfragen.

„Pausentaste“ – Beratungsprojekt für pflegende Kinder und Jugendliche

Rund 230.000 Kinder und Jugendliche

in Deutschland versorgen und pfle-

gen regelmäßig Angehörige. Viele von

ihnen opfern dafür einen großen Teil

ihrer Freizeit, sind erschöpft und ha-

ben das Gefühl, mit ihren Sorgen und

Ängsten alleingelassen zu werden.

Für diese jungen Menschen hat das

Bundesministerium für Familie, Se-

nioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ)

das Projekt „Pausentaste – Wer an-

deren hilft, braucht manchmal sel-

ber Hilfe. Das Angebot für Kinder und

Jugendliche, die sich um ihre Familie

kümmern“ ins Leben gerufen.

Start ist am 1. Januar 2018. Unter der

kostenlosen Nummer 116 111 bekom-

men dann betroffene junge Men-

schen Rat und Hilfe beim Kinder- und

Jugendtelefon der „Nummer gegen

Kummer“. Die Beratung ist anonym

und wird von Montag bis Samstag

jeweils von 14 bis 20 Uhr angeboten.

An Samstagen stehen speziell ausge-

bildete Beraterinnen und Berater im

Alter von 16 bis 21 Jahren ihren pfle-

genden Altersgenossen in einer so

genannten „Peer-to-Peer“-Beratung

zur Verfügung.

Online können sich Betroffene unter

www.nummergegenkummer.de

Rat

und Hilfe holen. Eine Website wird zu-

dem Informationen und Kontaktadres-

sen zu weiteren Hilfsangeboten bieten.

PM/DSH

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Magazin für pflegende Angehörige