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Gute Nacht!

Nachtpflege ist möglich, wird aber kaum genutzt

„Eine geruhsame Nacht“ wünschte einst der „Tagesthemen“-Moderator Ulrich Wickert seinen

Zuschauerinnen und Zuschauern am Ende einer jeden Sendung. Einen geruhsamen Schlaf, den

möchte jeder haben; viele Menschen bekommen ihn dennoch nicht. Die Krankenkasse DAK hat in

ihrem Gesundheitsreport 2017 hochgerechnet, dass rund 34 Millionen Menschen in Deutschland

schlecht einschlafen und durchschlafen. Die Folgen sind gravierend. Von Schlafmangel Betroffene

sind bei der Arbeit und im Straßenverkehr oft unkonzentriert, können Gefahren nicht immer sofort

richtig einschätzen und reagieren verlangsamt. Sie haben auch ein erhöhtes Risiko für Depressio-

nen, Angststörungen und andere psychische Erkrankungen.

Auch viele pflegende Angehörige kön-

nen sich nachts nicht erholen. Insbe-

sondere Angehörige von demenziell

Erkrankten können nach einem an-

strengenden Tag eine unruhige Nacht

vor sich haben, weil der Tag-Nacht-

Rhythmus der erkrankten Person auf

den Kopf gestellt ist.

Die Ärztin Birgit Schäler zum Beispiel

berichtet von ihrem demenzkranken,

blinden Vater. Er fühlte sich nachts

oft allein, hatte Angst und rief in

manchen Nächten fünf Stunden am

Stück nach ihr. An Schlaf war für Bir-

git Schäler nicht zu denken. Sie wur-

de immer aggressiver, schrie ihren

Vater an: „Ich muss schlafen!“ Am

nächsten Morgen nagte das schlech-

te Gewissen an ihr: Das Letzte, was

sie wollte war schließlich, ihren Vater

anzuschreien!

Nachtpflege – eine weithin

unbekannte Ergänzung zur

Pflege zu Hause

Die Schälers haben sich entschie-

den, den Vater einen halben Monat

zu Hause zu pflegen. In der anderen

Monatshälfte lebt er in einer Pflege-

einrichtung. Eine kaum bekannte und

wenig genutzte Möglichkeit, nach ei-

nem Pflegetag eine geruhsame Nacht

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Nachtpflege