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Der Kopf vergisst, das Herz nicht

Menschen, die an Demenz erkrankt

sind, haben nicht alles vergessen. Viel-

mehr sind in ihrem Herzen und ihrem

Körper unzählige Gerüche, Gefühle,

Handlungen und Personen bruchstück-

haft abgespeichert. Das heißt: Auch De-

menzkranke nehmen ihre Umwelt wahr

und verbinden sie mit verloren geglaub-

ten Erinnerungen – wenn auch nicht so

leicht und strukturiert wie Gesunde.

Wer zum Beispiel mit einem Demenz-

kranken Plätzchen backen will, erhält

auf die Frage nach einem bestimmten

Rezept wahrscheinlich keine Antwort.

Doch später dann weckt der Duft von

frisch Gebackenem die Erinnerung.

Und auf einmal ist alles wieder da –

selbst die Zutatenliste.

Diese Plätzchen-Szene ist eine von

vielen berührenden, aber auch lusti-

gen oder überraschenden Moment-

aufnahmen, die die Autoren Udo Baer

und Gabi Schotte-Lange in dem Buch

„Das Herz wird nicht dement“ zusam-

mengetragen haben. Lesenswert ist

das Buch des Pädagogen und der So-

zialpädagogin schon deshalb allemal.

Wertvoll für Pflegende aber ist die Er-

kenntnis, die die Autoren ziehen: Wer

mit Geduld und Empathie die sinnli-

chen Reaktionen eines Demenzkran-

ken zu verstehen lernt und wer eine

würdevolle und eher intuitive Form der

Kommunikation mit ihm entwickelt,

erlebt auch mitten im fordernden Pfle-

gealltag beglückende Momente.

DSH

D

D

„Das Herz wird nicht dement“,

Udo Baer & Gabi Schotte-Lange

ISBN: 978-3-407-85966-2

Preis: 12,95 Euro

Lesetipp

(weiter von Seite 4)

den anderen zu pflegen, den damit

verbundenen zeitlichen, körperlichen

und finanziellen Belastungen, aber

auch dazu, was der oder die Pflegende

täglich, wöchentlich oder unregelmä-

ßig für sich selbst tun könnte. Das bie-

tet den Vorteil, sich zunächst über die

eigene Situation klar werden zu kön-

nen, denn „oft rutscht man in diese

Pflegesituation rein“, sagt Schieron.

Ein weiterer Fragenkomplex beschäf-

tigt sich damit, welche konkreten

Aufgaben aufgeteilt oder delegiert

werden können und wer in welchem

Umfang dabei helfen könnte: zum

Beispiel andere Familienmitglieder,

Freunde, Nachbarn, ehrenamtliche

Besuchsdienste oder professionelle

Pflegedienste. Dann gilt es, mit allen

Beteiligten darüber zu sprechen –

die Familie muss dabei an einen

Tisch, auch die pflegebedürftige Per-

son. Möglicherweise entstehen im

Familienrat noch weitere Ideen, die

sich umsetzen lassen. Auf jeden Fall

sollten auch diese Ergebnisse auf-

geschrieben werden. „Es schriftlich

festzuhalten, macht es sowohl für

einen selbst als auch für die einbezo-

genen Personen verbindlicher“, sagt

Schieron. Falls die pflegebedürftige

Person aufgrund ihres Gesundheits-

zustands nicht am Familienrat teil-

nehmen kann, müssen ihr – wenn

möglich – die Veränderungen eben-

falls erläutert werden.

Die Broschüre enthält einen Mus-

terzeitplan sowie Vordrucke für alle

Wochentage. Die Empfehlung lautet,

mindestens einmal pro Woche einen

freien Nachmittag oder Abend für sich

zu verbringen und von vornherein im

Monat mindestens fünf solcher Frei-

räume einzuplanen. Im strukturierten

Tagesplan steht dann zum Beispiel

für Mittwoch: 15 bis 17 Uhr ehrenamt-

licher Besuchsdienst. Zugleich no-

tiert sich die Pflegeperson, was sie in

der Zeit für sich macht, zum Beispiel:

Friseurtermin.

Mirjam Ulrich, Journalistin,

Wiesbaden

5

Magazin für pflegende Angehörige