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Was vom Tage übrig bleibt

Einen Angehörigen zu pflegen, ist

oft zeitaufwendiger als ein Vollzeit-

job. Meist übernimmt eine Person

den größten Teil der häuslichen Pfle-

ge und wendet im Schnitt knapp 50

Stunden in der Woche dafür auf. Die-

se Zahl nennt eine aktuelle Studie im

Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung, die

im Juni dieses Jahres veröffentlicht

wurde. Doch während im Berufsleben

gesetzliche Vorschriften Pausen, Frei-

zeit und Urlaub regeln, gestatten sich

Pflegende häufig keine verlässlichen

Auszeiten. Wer permanent für andere

da ist, riskiert jedoch, die eigene Ge-

sundheit zu ruinieren.

„Oftmals bemerken die Betreffen-

den zu spät, dass sie, wenn sie sich

selbst nicht gut pflegen, auch den

anderen nicht gut pflegen können“,

sagt der Pflegewissenschaftler Mar-

tin Schieron. Pflegende Angehörige

brauchen aber Zeiten, in denen sie

nicht pflegende Angehörige sind,

sondern Individuen mit eigenen Wün-

schen. Pausen von der Pflege müs-

sen sein, um Hobbys nachzugehen,

Freundinnen und Freunde zu treffen

und sich um das eigene Wohlergehen

zu kümmern. „In vielen Fällen müs-

sen sie aber erst lernen, solche Zei-

ten verlässlich einzuplanen.“ Schie-

ron forscht als wissenschaftlicher

Mitarbeiter der Universität Bielefeld

zum Thema „Familiale Pflege“, zuvor

arbeitete er 15 Jahre bei der Unfall-

kasse NRW.

Die Broschüre „Handlungshilfen für

pflegende Angehörige“ der Unfallkas-

se NRW (siehe Infokasten) zeigt pra-

xisnah auf, wie sich pflegende Ange-

hörige die nötigen Freiräume schaffen

können. Vor der konkreten Zeitpla-

nung stehen dabei eine Reihe von

Fragen zu verschiedenen Themen,

etwa zu Gründen und Motiven,

Die häusliche Pflege von Ange-

hörigen nimmt meist viel Zeit in

Anspruch. Die Bedürfnisse und

Interessen der Pflegenden kom-

men dabei oft zu kurz. Für die

eigene Gesundheit ist es aber

wichtig, Pausen und Freiräume

für sich fest einzuplanen.

Info

Unfallkasse

NRW (Hrsg.):

„Handlungshil-

fen für pflegen-

de Angehöri-

ge – Strategien

zur Organisa-

tion der häus-

lichen Pflege

und der Selbstsorge“

,

4., durchgesehene Auflage 2016.

Die Broschüre kann kostenfrei her-

untergeladen werden:

www.gesundheitsdienstportal.de

Hilfreiche Informationen bietet

auch die Broschüre

„Entlastung

für die Seele –

ein Ratgeber für

pflegende Ange-

hörige“

, heraus-

gegeben von der

Bundesarbeits-

gemeinschaft

der Senioren-

Organisationen

e.V. (BAGSO) und der Deutschen

Psychotherapeuten Vereinigung

e.V. (DPtV). BAGSO-Publikation Nr.

31, 6. Auflage 2014. Die Broschüre

kann kostenfrei heruntergeladen

werden:

www.bagso.de

,

Suchbegriffe: Entlastung Seele.

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