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viel wie „vom Körper ins Gehirn“ und

beruht auf neurologischen Erkennt-

nissen.

Im Gehirn, erläutert die Medizinerin,

gebe es auch Nervenformationen für

Stimmungen und Gefühle, die wieder-

um mit den Nervenzentren für Körper-

reaktionen und -bewegungen verbun-

den seien. Durch diese Vernetzung

entstehe ein Kreislauf: „Die Stimmung

drückt sich über den Körper aus, der

Körper kann aber auch die Stimmung

beeinflussen.“ Dies geschieht über so

genannte Körpercodes. Dabei handelt

es sich um Gesten, Haltungen und

Bewegungen, die sowohl auf die emo-

tionalen Zentren des Gehirns einwir-

ken als auch auf die Produktion von

Neurotransmittern, den Botenstof-

fen zwischen Nervenzellen. Claudia

Croos-Müller hat einfache Übungen

entwickelt, die ohne Aufwand überall

und jederzeit ausgeführt werden kön-

nen. 15 dieser Übungen für den Alltag

gibt es auch als kostenfreie App für

das Smartphone.

Gegen den Novemberblues empfiehlt

die Ärztin zudem, beim täglichen Spa-

ziergang abwechselnd nach rechts

und links zu schauen, was es Interes-

santes und Schönes zu sehen gibt. Die

wechselnde Blickrichtung stimuliert

beide Hälften des Gehirns; diese An-

regung wirkt ausgleichend und har-

monisiert die Gehirnaktivität. Zugleich

füttert es das Gehirn mit neuen und

schönen Eindrücken: ein paar rote

Beeren in einer Hecke, eine krächzen-

de Krähe auf einem Dachfirst, der Ge-

ruch von Laub oder ein Sonnenstrahl.

Jedes Erlebnis löse ein Gefühl aus,

sagt die Neurologin, und in diesen Fäl-

len gezielt positive Gefühle.

Singen hebt ebenfalls die Stimmung,

das wurde in mehreren internationa-

len wissenschaftlichen Studien nach-

gewiesen. Es stärkt Herz und Kreislauf

sowie das Immunsystem und senkt

den Cortisolspiegel, also das Stress-

hormon. Claudia Croos-Müller schlägt

daher vor, bei alltäglichen Verrichtun-

gen wie etwa der Hausarbeit oder der

Pflege von Angehörigen zu singen.

Vielleicht finde sich sogar ein gemein-

sames Lieblingslied aus früherer Zeit.

Auch Adventslieder bieten sich an.

Ein Freude-Tagebuch führen

Außerdem rät sie, ein Freude-Tage-

buch zu führen, in dem man jeden

Abend handschriftlich notiert, was

man heute Schönes gesehen oder

erlebt hat oder was einem gelungen

ist. Irgendetwas gebe es immer, sagt

die Therapeutin, und sei es, dass man

den Tag überstanden habe – auch das

könne ein Grund zur Freude sein. Wer

solche guten Momente aufschreibt,

macht sie sich nochmals bewusst und

löst erneut ein positives Gefühl aus.

Zudem führt es dazu, die Augenblicke

der Freude deutlicher wahrzunehmen.

„Freude ist ein Lebenselixier“, sagt

Claudia Croos-Müller. „Ohne Freude

gehen wir ein wie ein Blümchen ohne

Wasser, und gerade Pflegende, die

einen hohen Anspruch an sich haben,

müssen mehr als andere dafür sorgen,

dass sie Freude erleben“, sagt sie.

Eine langanhaltende Pflegesituation

erschöpfe sehr, Pflegende erleiden

daher häufig einen Burn-out. Daraus

könne eine Erschöpfungsdepression

entstehen, weiß die Ärztin. Freude

hingegen stelle das Gegenteil einer

Depression dar.

Mirjam Ulrich

Bücher, App und

Informationen

Croos-Müller, Claudia:

Viel

Glück. Das kleine Überlebens-

buch.

Kösel Verlag, 6. Aufl.

2013, 48 Seiten, 9,99 Euro.

Hegerl, Ulrich und Niesken,

Svenja:

Depressionen bewäl-

tigen: Die Lebensfreude wie-

derfinden.

Trias Verlag, 3. Aufl.

2013, 152 Seiten, 19,99 Euro.

Die App

„Body2Brain“

gibt es

kostenfrei in App-Stores, beim

Kösel-Verlag und bei Amazon

zum Herunterladen.

Die Stiftung Deutsche Depres-

sionshilfe bietet Hilfe und Infor-

mationen zum Umgang mit der

Krankheit, darunter auch einen

Selbsttest:

www.deutsche-depressionshilfe.de

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Magazin für pflegende Angehörige