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Wenn die Tage kürzer werden und das Wetter trübe wird, schlägt

das vielen Menschen aufs Gemüt. Man kann jedoch aktiv etwas

dagegen tun – auch vorbeugend.

Die Bäume verlieren ihre letzten Blät-

ter, die Sonne verschwindet öfter ein-

mal hinter Nebelschwaden, der Wind

weht kühl. Auf dem Kalender stehen

Gedenktage wie Volkstrauertag und

Totensonntag. Wenn dann die Stim-

mung so trist wird wie die Regenwol-

ken, spricht man auch vom November-

blues. Eine Winterdepression ist das

noch nicht, denn „eine etwas melan-

cholische Stimmung in der dunklen

Jahreszeit ist meist eine ganz normale

menschliche Reaktion ohne Krank-

heitswert“, sagt der Psychiatriepro-

fessor Ulrich Hegerl. Schon früheres

Schlafengehen oder längeres Liegen-

bleiben am Morgen könne bei man-

chen Menschen zu gedrückter Stim-

mung und Schwunglosigkeit führen.

Sein Rezept dagegen lautet: aktiv blei-

ben, Sport treiben und nicht zu lange

schlafen.

Von einer Winterdepression oder auch

saisonal-abhängigen Depression

(SAD) sprechen Experten erst, wenn

eine richtige Erkrankung vorliegt. Dazu

müssen mehrere Krankheitszeichen

dauerhaft über mindestens zwei Wo-

chen erscheinen und in mindestens

zwei aufeinander folgenden Jahren

in der gleichen Jahreszeit aufgetreten

sein, erläutert Hegerl. Er ist Direktor

der Klinik und Poliklinik für Psychiat-

rie und Psychotherapie der Universi-

tät Leipzig und Vorstandsvorsitzender

der Stiftung Deutsche Depressions-

hilfe. Als typische Symptome einer

Winterdepression nennt er neben der

gedrückten Stimmung anhaltende

Müdigkeit, Freudlosigkeit, mehr Hun-

ger – speziell auf kohlenhydratreiche

Lebensmittel wie Süßigkeiten –, Grü-

belneigung mit Schuldgefühlen und

ein vermehrtes Schlafbedürfnis.

Licht, frische Luft und

Bewegung helfen

Amerikanischen Studien zufolge lei-

den zwischen 1,5 und 9 Prozent der

Bevölkerung unter einer Winterde-

pression, der Anteil hängt vom Brei-

tengrad ab. Neben einer genetisch be-

dingten Veranlagung spielt das Licht

eine wichtige Rolle, denn es beein-

flusst über die Netzhaut verschiedene

Botenstoffe im Gehirn. Zugleich setzt

der Körper mehr Melatonin frei, ein

Hormon, das müde macht. „Die Win-

terdepression spricht gut auf Licht-

therapie an“, weiß Hegerl. Spezielle

Lichtlampen werden dafür nicht un-

bedingt benötigt. Bei einem Spazier-

gang entspreche selbst bei bedeck-

tem Himmel der Lichteinfall draußen

in etwa dem einer Therapielampe.

Täglich an die frische Luft zu gehen,

empfiehlt auch die Neurologin und

Körperpsychotherapeutin Claudia

Croos-Müller. Wichtig sei dabei, sich

beim Gehen aufzurichten und anders

zu bewegen als sonst. „Also nicht die

Arme hängen lassen wie zwei lahme

Flügel, sondern die Arme schwingen

und die Hüften ebenfalls – mindes-

tens wie Marilyn Monroe.“ Das mag

erst einmal befremdlich klingen,

doch dahinter steckt eine von Clau-

dia Croos-Müller entwickelte Metho-

de: „Body2Brain“. Das bedeutet so

Mit Bewegung

gegen den

Novemberblues

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Was den Alltag leichter macht