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fähigkeit. Man kann diese Fähigkeit

fördern, zum einen, indemman Men-

schen, die unter großem seelischen

Druck stehen, dringend empfiehlt,

Auszeiten von der belastenden Situ-

ation zu nehmen. In diesem Fall zum

Beispiel durch die stundenweise Ablö-

sung in der Pflege durch eine profes-

sionelle Kraft. In dieser Zeit sollte der

Angehörige Dinge tun, die seinen Be-

dürfnissen entgegenkommen: In der

Natur spazieren gehen, Zeitung lesen

im Café, zum Schwimmen gehen –

ganz egal was. Nur für sich selbst da

sein. Die andere Resilienz fördernde

Möglichkeit ist das Eingebundensein

in ein Netzwerk von Freunden, Ver-

wandten, Familie. Wenn dies zur Verfü-

gung steht, ist der seelische Druck viel

leichter auszuhalten.

Sehr geehrte Frau Dr. Koch, ich be­

danke mich sehr für das Gespräch

und wünsche Ihnen alles Gute.

Das Interview führte Martin Schieron,

Pflegewissenschaftler und

Präventionsexperte bei der Unfallkasse

NRW, Düsseldorf.

Manchen Menschen scheint alles zu

gelingen. Sie bewältigen jede Her-

ausforderung und stehen nach jeder

noch so harten Niederlage wieder auf.

Aber wie kommt es, dass der eine

schwierige Lebensaufgaben packt,

während der andere daran zer-

bricht? Dieses Phänomen der see-

lischen Widerstandsfähigkeit heißt

Resilienz. Sie wird mit sicheren Be-

ziehungen in Kindheit und Jugend

angelegt und durch Erfahrungen im

Lebensverlauf gefestigt.

Forschungsergebnisse deuten da-

rauf hin, dass für die Entwicklung

von Resilienz weniger ein negatives

Ereignis entscheidend ist, sondern

vielmehr die Art, wie der einzelne

Mensch es einschätzt. Stirbt zum

Beispiel eine nahestehende Per-

son, hängt der Umgang mit diesem

Ereignis von der eigenen Fähigkeit

ab, es als unveränderlich zu akzep-

tieren und damit (weiter-) leben zu

können.

Bei Herausforderungen, die der

Mensch beeinflussen kann, ist es

ähnlich. Ob jemand Verantwortung

für sein Leben übernimmt oder sich

abhängig macht vom Schicksal,

vom Zufall und von anderen Perso-

nen, hängt von der Überzeugung ab,

selbständig Entscheidungen tref-

fen zu können. Eine Aufgabe, die

bezwingbar erscheint, wird dann

kaum zu einer seelischen Belas-

tung. Diese seelische Stärke, Resi-

lienz, schützt vor Stress und darauf

aufbauenden psychischen Erkran-

kungen. Jedes bezwungene Problem

stärkt das Gefühl, das eigene Leben

selbständig gestalten und verän-

dern zu können. Daraus wächst die

Zuversicht, dass Lebenskrisen zwar

schwierig sind – aber auch zu meis-

tern.

Annemarie Wegener

Resilienz – Was ist das?

9

Magazin für pflegende Angehörige