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musste, dass seine Frau in einem

kompetenten Pflegeheim besser auf-

gehoben war. Die Zeit danach war

für ihn fast genauso schwierig wie

die Wochen und Monate, in denen er

praktisch 24 Stunden für seine Frau

da sein musste.

Pflegende Angehörige kümmern sich

mit großer Motivation und Hingabe

um ihre pflegebedürftigen Angehöri­

gen. Oftmals scheinen sie sich selber

über die Pflege der anderen Person

zu vergessen. Wie haben Sie es ge­

schafft, dass pflegende Angehörige

auch für sich selbst die Notwendig­

keit zur „Selbstsorge“ erkannten?

Wie konnten Sie die Pflegenden da­

bei unterstützen? Erinnern Sie sich

an eine Situation, die Sie selbst sehr

beschäftigt hat?

Ich erinnere mich sehr gut an einen

65-jährigen Mann, der seine krebs-

kranke Frau wirklich aufopferungsvoll

pflegte. Es war sehr klar zu erkennen,

dass er sich und seine Gesundheit

dabei gefährdete durch den Mangel

an Schlaf, die schwere Pflegearbeit

und vor allem durch die Sorge um sei-

ne Frau. Hinzu kam die Angst, die ihn

Tag und Nacht quälte. Meine Aufgabe

sah ich darin, ihn so zu unterstützen

und ihm Achtsamkeit für sich selbst

nahe zu bringen, um seine psychi-

schen und physischen Kräfte zu er-

halten.

Wenn es dann möglich war, mit

pflegenden Angehörigen über ihre

„Selbstsorge“ zu sprechen, was

konnten Sie ihnen im Speziellen ra­

ten? Was raten Sie grundsätzlich

allen Menschen zur Selbstsorge und

Prävention?

Wir kennen den Begriff der „Resili-

enz“, der seelischen Widerstands-

dies erlebt? Wie haben Sie pflegende

Angehörige in Ihrer Praxis wahrge­

nommen?

Es war sehr bewegend mitzuerleben,

wie jemand um die noch verbliebe-

nen kognitiven Fähigkeiten seiner

Frau kämpfte, aber auch, wie sehr

ihn das seelisch belastete – von den

körperlich pflegerischen Leistungen

einmal abgesehen. Am schwierigs-

ten fand ich dann die Phase, in der

so jemand trotz aller Anstrengung

und liebevoller Zuwendung einsehen

Kurzbiographie Dr. Marianne Koch

Marianne Koch wurde

am 19. August 1931 als

Tochter eines Kauf-

manns und einer Pi-

anistin in München

geboren. 1949 Abitur,

danach Beginn des

Medizinstudiums an

der Ludwig-Maximi-

lians-Universität in

München. Ein Jahr

später, in den Semesterferien, kleine-

re, dann große Rollen beim Film. 1952

Physikum, 1955 Bundesfilmpreis (für

„Des Teufels General“ unter der Regie

von Helmut Käutner). Anschließend

Unterbrechung des Studiums und

Verträge in Hollywood, Frankreich,

Deutschland (insgesamt 70 Filme).

1973 Wiederaufnahme des Studiums,

1976 Staatsexamen, 1977/78 Appro-

bation und Promotion; 1985 Nieder-

lassung als Fachärztin (Internistin).

Bis 1997 in eigener Praxis tätig.

Zusätzlich journalistische Tätigkeiten

im Fernsehen, unter anderen als Mo-

deratorin von „III nach 9“ und „CLUB

2“ (ORF); zehn Jahre Studioredaktion

von MEDIZIN MAGAZIN (West 3),

seit September 2000 Betreuung der

wöchentlichen Sendung im Bayeri­

schen Rundfunk: „Das Gesund-

heitsgespräch“ (www.gesundheits­

gespraech.de)

.

1997 bis 2011 Präsidentin der

Deutschen Schmerzliga e.V.

Diverse populärmedizinische

Publikationen, Medizin-Serien,

ferner Arzt-Patienten-Seminare

etc.

Publikationen:

Mai 1999: „Mein Gesundheits-

buch“, dtv München

März 2001: „Tief Einatmen! Eine

Entdeckungsreise in den Kör-

per“, Hanser Kinderbuch-Verlag,

München

Oktober 2003: „Körperintelli-

genz“, dtv München

Mai 2007: „Die Gesundheit un-

serer Kinder“, dtv München

Juli 2011: „Das Herz-Buch“, dtv

München

November 2016: „Das Vorsorge-

Buch – wie Sie Körper und Seele

gesund erhalten“, dtv, München

Verschiedene Auszeichnungen

auf dem Gebiet der medialen

Kommunikation von Medizin, zu-

letzt: „Preis des Kollegiums“ der

Medizinjournalisten „Medizin im

Wort“, 1999

Medaille „München leuchtet“

2000

Bundesverdienstkreuz 2002

Dr. Marianne Koch lebt in Tutzing

bei München und hat zwei erwach-

sene Kinder.

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Interview