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Selbstsorge durch Resilienz

Interview mit

Dr. Marianne Koch

Viele Menschen kennen Dr. Marianne Koch noch aus der früheren ARD-Quizsendung „Was bin

ich?“ mit Gastgeber Robert Lembke. Dr. Marianne Koch ist auch heute noch „auf Sendung“ – in

der Reihe „Das Gesundheitsgespräch“ im Bayerischen Rundfunk. Die erfahrene Ärztin schöpft da­

bei aus ihrer langjährigen Tätigkeit als Internistin in einer eigenen Praxis in München. Auch pfle­

gende Angehörige zählten zu ihren Patienten. Welche Ratschläge damals wie heute aktuell sind,

haben wir sie in einem Interview gefragt.

Sehr geehrte Frau Dr. Koch, ich freue

mich sehr und möchte Ihnen herzlich

danken, dass Sie sich bereit erklärt

haben, mit uns über Möglichkeiten

zur Erhaltung des Wohlbefindens und

der Gesundheit pflegender Angehö­

riger zu sprechen. Bevor wir jedoch

darüber sprechen, gestatten Sie mir

eine persönliche Frage: Sie selber er­

scheinen immer so fit und vital. Wie

schaffen Sie das?

Dr. Marianne Koch: Ich denke, ich

habe Glück mit meinen Genen. Aber

ich befolge auch die Ratschläge, die

ich meinen Patienten immer gegeben

habe: Gesund ernähren und aktiv blei-

ben, körperlich und geistig. Ich war

immer ein sportlicher Typ und gehe

jetzt täglich mit meinem Hund spazie-

ren. Da ich jede Woche eine einstün-

dige Live-Sendung – „Gesundheitsge-

spräch“ – im Bayerischen Rundfunk

über jeweils ein anderes medizini-

sches Thema gestalte, ist auch für die

geistige Beweglichkeit gesorgt.

Sie waren lange Jahre in Ihrer Praxis

als Internistin tätig. Hatten Sie dort

viel Kontakt zu pflegenden Angehöri­

gen? (als Patienten oder auch nur als

Begleitung von Patienten?)

Ich hatte Patienten mit einer begin-

nenden Demenz und auch Kontakt zu

ihren Angehörigen. An ihnen konnte

ich sehen, wie groß das körperliche

und seelische Engagement bei der

zunehmend schwierigeren Betreu-

ung ihrer Ehefrau beziehungsweise

ihres Ehemannes war, aber auch, wie

sehr die Kräfte dieser Angehörigen

dadurch in Anspruch genommen wur-

den.

Vielfach entsteht der Eindruck, dass

pflegende Angehörige von Behör­

den, in Beratungsstellen aber auch

in der Hausarztpraxis zunächst „nur“

als Angehörige einer pflegebedürfti­

gen Person, als Teil der Versorgungs­

struktur wahrgenommen werden.

Erst wenn auch sie – plötzlich oder

schleichend – zu „Patientinnen und

Patienten“ werden, gelangen auch

Belastungen durch die Pflege in

den Blickpunkt. Wie haben Sie

Foto: ©Isolde Ohlbaum

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Interview