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der unteren Etage. Auch Musikanlage

und Fernseher fanden dort ihren neu-

en Platz. Am letzten Krankenhaustag

von Willi L. wurden das neue Bett, der

Rollstuhl und die anderen Hilfsmittel

geliefert. „Es war ein ganz schöner

Kraftakt, aber wir hatten wirklich alles

auf den Punkt fertig“, sagt Christa L.

AmMontag um 11.30 Uhr brachte

ein Krankenwagen Willi L. nach Hau-

se – eine halbe Stunde später kamen

Pflegedienst und Hausarzt. So konn-

te alles besprochen werden, auch die

Gabe der Medikamente. Schon im

Krankenhaus hatte Christa L. einen

Antrag auf eine Pflegestufe gestellt.

Der Medizinische Dienst der Kranken-

kassen kam sechs Wochen später;

Pflegestufe II wurde bewilligt. Dadurch

stehen nun 1.298 Euro imMonat als

„Sachleistungen bei erhöhtem Betreu-

ungsaufwand“ für die Pflege von Willi

L. zur Verfügung. Aber das reicht nicht.

Das gesamte Pflegepaket, das Christa

L. für ihren Vater geschnürt hat, kostet

rund 2.000 Euro. Die Summe, die über

das Pflegegeld hinausgeht, nimmt

sie sich von seinem Konto. Eine Voll-

macht dafür hatte sie als einzige nahe

Verwandte schon länger. Und glückli-

cherweise bezieht ihr Vater eine gute

Rente.

Schwierig: Die Pflegezeit muss

selbst finanziert werden

Christa L. kennt die Möglichkeit,

Pflegezeit zu beantragen. Seit An-

fang 2015 können Berufstätige, die

einen nahen Angehörigen pflegen,

bis zu sechs Monate ganz oder teil-

weise aus dem Beruf aussteigen. Ein

Rechtsanspruch auf diese Pflegezeit

besteht allerdings nur in Firmen mit

mehr als 15 Beschäftigten. Christa

L. hätte sich mit ihrem Chef einigen

müssen, wenn sie eine Reduzierung

oder Auszeit gewollt hätte. Doch

für sie war von Anfang an klar: „Das

kann ich mir nicht leisten.“ Denn

die Pflegezeit muss selbst finanziert

werden, eine Lohnfortzahlung gibt

es nicht. Um Einkommensverluste

abzufedern, kann allerdings ein zins-

loses Darlehen beim Bundesamt für

Familie und zivilgesellschaftliche

Aufgaben (BAFzA) beantragt werden.

Aber auch das kam für die Architek-

tin nicht in Frage: „Ich will mich doch

in meinem Alter nicht noch einmal

verschulden.“ Viele scheinen ähn-

lich zu denken, denn bisher wurden

bundesweit nur 429 Darlehnsan­

träge gestellt.

„Im Moment läuft es“, sagt Christa L.

Sie hofft, dass sie ihren Vater noch

lange zu Hause wird pflegen können.

Und sie sorgt weiterhin auch für sich

selbst. Wenn sie allabendlich bei

ihrem Vater nach dem Rechten ge-

schaut hat, schlüpft sie in die Reitho-

se, sattelt ihr Pferd und genießt einen

Ausritt durch die Wälder in ihrer Um-

gebung.

Silke Baumgarten

„Handlungshilfen zur

häuslichen Pflege“

Die Unfallkasse NRW hat die

Broschüre „Handlungshilfen

zur häuslichen Pflege“ neu her-

ausgegeben. Auf 60 Seiten gibt

es detaillierte Fragebögen, mit

deren Hilfe man eigene Über-

legungen im Vorfeld der Pflege

anstellen und ordnen kann. Ein

Muster-Tagesplan und Pläne für

jeden Wochentag zum Ausfüllen

runden die Fragebögen ab.

Die Broschüre kann unter

www.

unfallkasse-nrw.de/pflegende-

angehoerige

, Stichwort „Hand-

lungshilfe“ heruntergeladen

werden.

Service

Schnelle Hilfe erhalten pflegende

Angehörige am Pflegetelefon des

Bundesministeriums für Familie,

Senioren, Frauen und Jugend.

Dort kann man sich von Montag

bis Donnerstag von 9 bis 18 Uhr

beraten lassen – auf Wunsch

auch anonym: 030 20179131.

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Prävention inNRW

aletia2011–Fotolia.com

Handlungshilfen fürpflegendeAngehörige

StrategienzurOrganisationderhäuslichenPflege

undderSelbstsorge

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Magazin für pflegende Angehörige