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Kornelia Schmid, „eine Aufteilung –

erst mal nur eine Woche und ein

paar Wochen später die zweite – ist

nicht möglich. Das ist völlig realitäts-

fremd.“ Eine bezahlte Freistellung

bei Bedarf, ähnlich den Tagen, die

man nehmen kann, wenn ein Kind

krank ist – das wünschen sich viele

pflegende Berufstätige, sagt Korne-

lia Schmid. „Aber weil es diese Frei-

stellung nicht gibt, melden sich viele

selbst krank, wenn sie etwas für die

Pflege organisieren müssen. Sie wis-

sen sich nicht anders zu helfen. Doch

dieses Lügen macht Gewissensbis-

se und solche Schuldgefühle rauben

Energie. Dabei brauchen doch gera-

de die Menschen, die Job und Pflege

unter einen Hut bringen müssen, alle

ihre Kräfte.“

Christa L. hat es tatsächlich geschafft,

die Pflege ihres Vaters innerhalb der

neun Tage, die er im Krankenhaus war,

zu organisieren. Geholfen haben ihr

der soziale Dienst vom Krankenhaus

und ihr Lebensgefährte. Zum Sozial-

dienst war sie gleich amMontag nach

der Einlieferung ihres Vaters gegan-

gen. Die Mitarbeiterin besprach mit

Christa L., was sie benötigt, wenn der

Vater nach Hause kommt: Rollstuhl,

Pflegebett, Toilettenstuhl und Dusch-

hocker zum Beispiel. Außerdem gab

sie ihr eine Liste mit Pflegediensten

aus der näheren Umgebung und nann-

te ihr Reha-Firmen, bei denen sie die

notwendigen Hilfsmittel bestellen

konnte.

Kombination aus Pflegedienst

und privat organisierter Hilfe

Schon beim ersten Pflegedienst, den

Christa L. anrief, hatte sie Glück. Er

konnte ab der kommenden Woche

zwei Einsätze pro Tag übernehmen.

Dadurch waren Versorgung und Pfle-

ge ihres Vaters morgens und abends

gesichert. Die Nachbarin, die ohnehin

schon an drei Tagen in der Woche für

Willi L. kochte und putzte, kommt nun

täglich auch für ein bis zwei Stunden

über Mittag – auch das konnte Chris-

ta L. schnell klären. Vor der Rückkehr

ihres Vaters nach Hause musste sei-

ne Wohnung umgeräumt werden. Hier

half der Lebensgefährte von Christa

L. Da Willi L. auf längere Sicht keine

Treppen mehr würde steigen können,

schaffte er Platz für das Pflegebett in

Das ist Ihr Recht

1. Bezahlte Freistellung für

zehn Tage

Alle Arbeitnehmer haben das

Recht, insgesamt zehn Tage lang

der Arbeit fern zu bleiben, wenn

eine akute Pflegesituation für ei-

nen nahen Angehörigen auftritt.

Die Lohnersatzleistung, das so-

genannte Pflegeunterstützungs-

geld, übernimmt auf Antrag die

Pflegekasse des Angehörigen.

2. Pflegezeit

Beschäftigte in Unternehmen mit

mehr als 15 Mitarbeitern haben

das Recht, sechs Monate lang

teilweise oder ganz aus dem

Beruf auszusteigen, um einen

nahen Angehörigen zu pflegen.

Sie dürfen in dieser Zeit nicht ge-

kündigt werden und können zur

Überbrückung von finanziellen

Engpässen ein zinsloses Darle-

hen beim Bundesamt für Familie

und zivilgesellschaftliche Aufga-

ben beantragen.

3. Familienpflegezeit

In Firmen mit mehr als 25 An-

gestellten haben Beschäftigte

das Recht, ihre Stundenzahl bis

zu 24 Monate lang zu reduzie-

ren, wenn sie einen Angehöri-

gen pflegen. Auch in diesem Fall

kann ein zinsloses Darlehen be-

antragt werden. Es besteht aber

auch die Möglichkeit, diese Pfle-

gezeit selbst zu finanzieren. Und

zwar, indem man zunächst 50

Prozent arbeitet und 75 Prozent

Gehalt erhält, und sich verpflich-

tet, anschließend für den glei-

chen Zeitraum und das gleiche

Gehalt 100 Prozent zu arbeiten.

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Beruf und Pflege