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Recht auf Pflegeberatung

Nichts bleibt wie es ist, alles ändert sich. Auch in der Pflege. Damit pflegende Angehörige den

Überblick über aktuelle Ansprüche und Leistungen bekommen, gibt es Pflegeberater – direkt bei

der Pflegekasse oder auch in Pflegestützpunkten. Denn Information ist das A und O, um Pflegelei­

stungen optimal in Anspruch nehmen zu können.

Einen neuen Ansatz verfolgt die Pfle-

gestufen-Reform, die mit dem Jahres-

wechsel in Kraft tritt. „Selbständigkeit

wird zum Maß für die Pflegebedürf-

tigkeit eines Menschen“, erklärt Dr.

Lena Dorin, Spezialistin für Pflege­

politik bei der Bundesarbeitsgemein-

schaft der Senioren-Organisationen

e.V. (BAGSO). Pflegeleistungen sollen

an die Bedürfnisse Pflegebedürfti-

ger mit eingeschränkter Alltagskom-

petenz wie etwa Demenz angepasst

werden. Körperliche und psychische

Gründe für Pflegebedürftigkeit sind

künftig gleichgestellt. Die bislang

gültigen drei Pflegestufen werden

deshalb in fünf neue Pflegegrade ein-

geteilt, die sich nicht nach dem zeit­

lichen Pflegeaufwand richten.

„Keine Sorge. Die derzeitigen Pflege-

stufen werden automatisch in Pfle-

gegrade umgewandelt, wenn bereits

Leistungen aus der Pflegeversiche-

rung bezogen werden“, erklärt Ariane

Rausch, die in Berlin den Tempelhofer

Pflegestützpunkt leitet. Doch während

diese Umstellung sofort mit Beginn

des neuen Jahres ohne Zutun erfolgt,

muss man für bisher nicht gewährte

Leistungen oder auch Höherstufungen

der Pflege aktiv werden. Dafür ist ein

Antrag bei der Pflegekasse zu stellen.

Die Informationen zum Leistungsan-

gebot und zu den Bedingungen für

deren Inanspruchnahme sind schwie-

rig zu überschauen. Umso wichtiger

ist Information. Ariane Rausch rät, mit

Hilfe von Beratungsstellen den Pfle-

gebedarf und die bestehenden Sach-

und Geldleistungen zu analysieren.

Passt der Bescheid der Pflegekasse

zum tatsächlichen Bedarf oder muss

Widerspruch eingelegt werden? Dann

allerdings darf der Bescheid nicht äl-

ter als vier Wochen sein, sonst muss

ein Neuantrag gestellt werden. Die

Experten der Pflegestützpunkte ge-

ben zu allen Fragen Ratschläge und

helfen bei Anträgen. Auch direkt bei

der Pflegekasse des Versicherten gibt

es jeweils zuständige Ansprechpart-

ner für Auskünfte.

Welche Möglichkeiten sind noch nicht

ausgeschöpft? Gibt es ungenutzte An-

gebote, die dem zu Pflegenden helfen

oder die den pflegenden Angehörigen

unterstützen? „Niedrigschwellige Be-

treuungsleistungen oder auch barri-

erefreie Wohnraumanpassung – das

sind einige der umfangreichen The-

men, die oft vom Einzelnen nicht über-

blickt werden“, weiß die Beraterin.

So sei zum Beispiel der Anspruch auf

eine wöchentliche Tagespflege wenig

bekannt, die den pflegenden Angehö-

rigen zumindest zeitweise entlastet.

Adrienne Kömmler

Haus-Notruf

absetzbar

Die Kosten für einen Notruf-

dienst in einem Altenheim oder

in der eigenen Wohnung kön-

nen von der Steuer abgesetzt

werden. Die Ausgaben stellen

eine Hilfeleistung rund um die

Uhr sicher und seien daher als

haushaltsnahe Dienstleistun-

gen zu sehen, so die Richter

des Bundesfinanzhofs (Az. VI R

18/14).

Quelle: Öko-Test 3/2016

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Magazin für pflegende Angehörige