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Wem gehört das Pflegegeld?

Ivonne Festerling arbeitet seit vielen Jahren am Pflegestützpunkt

in Hamburg-Rahlstedt. Sie kennt die Sorgen von pflegenden An­

gehörigen – und ihre Fragen. Einige werden ihr oft gestellt. Hier

ihre Antworten.

Das Pflegegeld erhält der Pflegebe-

dürftige. Er kann damit die Personen

bezahlen, die ihn zu Hause pflegen.

Gedacht ist der Betrag für die haus-

wirtschaftliche Versorgung und die

erforderliche Grundpflege, etwa wa-

schen und anziehen. Die Höhe des

Pflegegeldes hängt von der Pflege-

stufe beziehungsweise ab 2017 vom

Pflegegrad ab. Der Pflegebedürftige

kann wählen, ob er das Geld für die

Pflege durch eine Person ausgibt, die

er sich selbst ausgesucht hat, oder

für Pflegesachleistungen, die ein Pfle-

gedienst erbringt. Auch eine Kombi-

nation von beidem ist möglich. Dies

ist dann sinnvoll, wenn sich zum Bei-

spiel der Sohn oder die Ehefrau um

die Pflege kümmern, aber einmal in

der Woche ein Pflegedienst kommt,

der beim Duschen des Pflegebedürf-

tigen hilft. Dann rechnet die Pflege-

kasse diese Leistung mit dem Pflege-

dienst ab und überweist das restliche

Pflegegeld an den Versicherten.

Manchmal kommt es zu

Missverständnissen

Wir haben noch nie erlebt, dass es

Streit um das Pflegegeld gab. Manch-

mal kommt es allerdings zu Miss-

verständnissen. Einige Angehörige

denken, dass ihnen das Pflegegeld

automatisch zusteht, wenn sie etwa

ihren Vater oder Partner pflegen. So

ist es aber nicht. Der Pflegebedürf-

tige ist der Anspruchsberechtigte,

das ist gesetzlich eindeutig definiert.

Da Pflegebedürftige aber meist sehr

dankbar dafür sind, wenn sie zu Hau-

se bleiben können und versorgt wer-

den, lassen sie dieses Geld eigentlich

immer den pflegenden Angehörigen

zukommen. Wenn ein Pflegebedürfti-

ger dies allerdings aufgrund von zum

Beispiel Demenz nicht mehr veranlas-

sen kann und keine Vollmacht vor-

liegt, muss ein Betreuer eingesetzt

werden. Meist ist dies ein Familien-

mitglied, oft genau die Person, die

die Pflege leistet. Ist das nicht der

Fall, muss sich der pflegende An-

gehörige mit dem gesetzlichen Be-

treuer an einen Tisch setzen und alle

Angelegenheiten klären, die mit der

Pflege zusammenhängen. In diesem

Gespräch sollte dann auch die Bezah-

lung angesprochen werden. Ich bin

sicher, dass man sich schnell einigt.

Das Pflegegeld zählt nicht zum

Einkommen

Wichtig zu wissen ist, dass das Pfle-

gegeld grundsätzlich nicht als Ein-

kommen zählt, weder beim Pflege-

bedürftigen noch beim Angehörigen,

der die Pflege leistet. Dies gilt auch,

wenn Grundsicherung in Anspruch

genommen wird. Gezahlt wird das

Pflegegeld auch dann noch, wenn der

Pflegebedürftige in ein Seniorenheim

umzieht und dort weiterhin von den

Angehörigen unterstützt wird. Wenn

ein Pflegebedürftiger allerdings dau-

erhaft in eine Einrichtung wechselt, in

der er auch gepflegt wird, endet der

Anspruch.

Die Fragen stellte Silke Baumgarten.

?

Oft gefragt:

Ivonne Festerling, Pflegeberaterin

im Pflegestützpunkt Hamburg-

Rahlstedt.

Broschüre „Länger

zuhause leben“

In der Broschüre „Länger zu-

hause leben. Ein Wegweiser für

das Wohnen im Alter“ bietet das

Bundesministerium für Familie,

Senioren, Frauen und Jugend

Tipps unter anderem zu alters-

gerechtem Umbau, Nachbar-

schaftshilfe und Hilfsdienste.

Zu finden unter:

www.bmfsfj.de

, Stichwort

„länger zuhause leben“.

Zuhause

IM ALTER

Länger zuhause leben

EinWegweiser fürdasWohnen imAlter

10

Recht