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Deutschland aus, die maßgeblich

in die Versorgung Angehöriger ein-

gebunden seien. Diese Zahl hat die

gemeinnützige Stiftung des Verbands

der privaten Krankenversicherer auf-

grund einer eigenen Studie hochge-

rechnet.

Aufgaben müssen dem Alter

angemessen sein

„Es spricht erst einmal nichts dage-

gen, junge Menschen in eine famili-

äre Pflegesituation einzubeziehen“,

sagt Dr. Ralf Suhr, Vorstandsvorsit-

zender des ZQP. „Aber die Aufgaben

müssen altersangemessen sein.“

Dominiere die Pflege den Alltag der

Jugendlichen, drohen emotionale,

soziale und schulische Probleme.

Langfristig könne all das chronische

Erkrankungen und Nachteile in Bezug

auf Bildung und Ausbildung zur Folge

haben, erläutert Suhr.

Als bei Gunda Klopsch im Herbst 2010

Darmkrebs diagnostiziert wurde, war

sie 55 Jahre alt und Anneke im elften

Schuljahr. „Unsere Eltern haben ver-

sucht, uns erst einmal so weit wie

möglich herauszuhalten“, erinnert

sich die junge Frau. So blieb der da-

mals 16-Jährigen auch Zeit für ihre

Freundschaften und Hobbys. Im Haus-

halt hatten die Mädchen und ihr Vater

ohnehin schon immer mitangepackt.

Zunächst waren alle guter Dinge,

dass sie nach der Operation, Chemo-

therapie und Bestrahlung wieder voll-

ständig geheilt würde, und tatsäch-

lich kehrte Gunda Klopsch 2011 an

die Schule zurück. Doch nach einem

Dreivierteljahr fanden sich Metasta-

sen in ihrer Lunge. Ein Tiefschlag für

die gesamte Familie. Es folgten er-

neut eine Operation, Chemotherapie

und Bestrahlung. Anneke Klopschs

Leistungen in der Schule blieben da-

von unberührt. Sie machte 2013 Ab-

itur und absolvierte ein freiwilliges

soziales Jahr.

Schulische Probleme

Etwa ein Viertel der betroffenen Kinder

und Jugendlichen habe britischen Stu-

dien zufolge schulische Probleme, sagt

Steffen Kaiser. Er forscht an der Univer-

sität Oldenburg zur schulischen Situ-

ation von Jugendlichen, die in ihren

Familien Verantwortung für die Pflege

und Unterstützung ihrer Angehörigen

übernommen haben. Kaiser kennt

Fälle, in denen Kinder und Jugendli-

che deshalb sogar monatelang in der

Schule fehlten.

Über ihre familiäre Situation spre-

chen die jungen Pflegenden aus un-

terschiedlichen Gründen nicht, etwa

aus Angst vor dem Jugendamt oder aus

Scham oder Angst vor Mitschülerinnen

und Mitschülern. „Gerade psychische

Hilfe für junge

Pflegende

Die Arbeitsgruppe JUMP – Junge

Menschen mit Pflegeverantwor-

tung:

D

D

www.wir-pflegen.net

(Rubrik: Projekte)

Bundesarbeitsgemeinschaft Kin-

der psychisch erkrankter Eltern:

D

D

http://bag-kipe.de

Netz und Boden – Initiative für

Kinder psychisch kranker Eltern:

D

D

www.netz-und-boden.de

Psychiatrienetz – Bundesverband

der Angehörigen psychisch Kran-

ker e.V. (BApK):

D

D

www.p

sychiatrie.de/bapk/kipsy

Oft hat Anneke Klopsch

ihrer Mutter geholfen,

die 15 Stufen dieser

Treppe zu meistern.

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Magazin für pflegende Angehörige