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Die Kunst, auch mal los­

lassen zu können

„Ich glaube, es ist unheimlich

wichtig, auch mal loszulassen,

mal Urlaub zu machen, um dem

Angehörigen – das kostet ja auch

Kraft – diese Versorgung bieten

zu können. Wenn man selbst vor

die Hunde geht, kann man keinen

mehr pflegen. Das geht gar nicht.“

Dass das nicht immer leichtfällt,

kennt Birgit Schäler aber auch aus

eigener Erfahrung. Obwohl sie ih-

ren Vater in ihrer Abwesenheit gut

versorgt weiß – sei es in der Ta-

gespflege, in den Händen privater

Pflegekräfte oder in der Kurzzeit-

pflege –, sind die Gedanken doch

immer bei ihm: Wie geht es ihm,

wird er gut versorgt?

Zweifel an ihrer Entscheidung,

ihren Vater zum Teil selber zu Hau-

se zu pflegen, hatte sie – und

auch ihre Familie – nie. „Für uns

war von Anfang an klar: Mein Va-

ter kommt zu uns, der Opa gehört

dazu!“

Diese Liebe und Zuneigung zu ihrem

Vater sieht sie auch als eine wichtige

Grundvoraussetzung an, um den täg-

lichen Herausforderungen, die diese

Situation mit sich bringt, gewachsen

zu sein. Wobei für Birgit Schäler das

Positive überwiegt: Sie hadert nicht

mit dem Schicksal, sondern sieht die

schönen Momente. Sie ist dankbar,

dass sie ihren Vater versorgen kann

und darf, dass sie sich in gesicherter

finanzieller Lage befindet und eine

Familie hat, die sie unterstützt. Eine

„Luxussituation“, wie sie selber fin-

det.

Beruf und Pflege – die Lösung

ist immer individuell

Und doch gibt es auch nach sieben

Jahren Pflege immer wieder kleine

Tücken und Hindernisse: Regelun-

gen, die sich ändern; Briefe in Amts-

deutsch, die nur schwer verständlich

sind; wichtige Informationen, die ein-

fach fehlen. Sie empfiehlt daher allen

pflegenden Angehörigen: Dranblei-

ben! Immer wieder bei den Pflegebe-

ratungsstellen nachfragen, welche

Neuerungen es gibt, was einem

zusteht, welche Hilfen man in An-

spruch nehmen kann.

Denn: Die eine Lösung für ein funk-

tionierendes Lebensmodell, in

dem sich die Pflege eines Angehö-

rigen mit dem eigenen Beruf ver-

einbaren lässt, gibt es eben nicht.

Neben der guten Kenntnis der ge-

setzlichen Regelungen ist auch

Organisationstalent und Kreativität

gefragt. Und die Einsicht und Be-

reitschaft, Hilfe und Unterstützung

aktiv zu suchen und dann auch

anzunehmen. Dann ist der Beruf

neben der Pflege keine Belastung.

Sondern wird unter Umständen so-

gar zur Insel.

D

D

Birgit Schäler im

Videointerview

Ganz persönliche Einblicke

in ihren Alltag als pflegende

Angehörige gibt Birgit Schäler

auch in einem unserer „Zeig

mir Pflege“-Videos, zu finden

unter

www.das-sichere-haus.

de

unter der Rubrik „Pflegen-

de Angehörige“.

* Tipp: Je nach Pflegestufe werden die Taxi­

kosten teilweise oder sogar komplett von

der Krankenkasse übernommen. Fragen Sie

doch mal bei der Pflegeberatung Ihrer Kran-

kenkasse nach!

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Magazin für pflegende Angehörige