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sowie Kolleginnen und Kollegen

auf viel Verständnis. Dass sie

durch das

Pflegezeitgesetz

An-

spruch auf eine

Arbeitsfreistellung

von bis zu zehn Tagen hat, wuss-

te sie damals nicht. Rückblickend

hätte das gerade die Anfangszeit

sicherlich erleichtert, meint sie.

So aber geht sie mal früher oder

kommt später, besucht Pflege-

stützpunkte und Beratungsstellen,

sucht sich mühsam Informatio-

nen zusammen. Über eine private

Zeitungsannonce findet sie eine

Pflegerin, die ihren Vater unter der

Woche in seiner alten Wohnung

versorgt. Am Wochenende küm-

mert sich Birgit Schäler selbst um

ihn. Eine Lösung, die fast ein Jahr

funktioniert – bis die Pflegerin sich

über Nacht auf und davon macht,

Haushaltsgeld inklusive.

Familie Schäler ist geschockt,

gibt aber nicht auf. Birgit Schäler

nimmt ihren Vater erst einmal zu

sich. Ihren Job ganz an den Nagel

zu hängen, kommt für sie aber nie

in Frage.

Der Job – Ausgleich und Zeit

zum Durchatmen

„Mein Beruf ist auch meine Insel. Das

macht mir Spaß, deshalb höre ich

auch nicht auf zu arbeiten. Das macht

mir Freude und gibt mir einen Aus-

gleich.“ Für sie ist die Zeit, die sie auf

ihrer Arbeitsstelle im Gesundheitsamt

verbringt, eine Zeit, in der sie auch

einmal durchatmen kann. Gelegent-

lich übernimmt sie darüber hinaus

auch Dienste auf dem Notarztwagen.

Einfach ist dieser Spagat zwischen

Familie, Pflege und Beruf jedoch nicht.

Um ihren Vater während ihrer Arbeits-

zeit gut versorgt zu wissen, macht sie

sich auf die Suche nach einer Tages-

pflegeeinrichtung. Sie schnappt sich

das Telefonbuch – und hat Glück: Die

erste

Tagespflegeeinrichtung

, die

kurzfristig einen Platz für ihren Vater

frei hat, entpuppt sich als Volltreffer.

Mit nur zwölf Patienten klein, persön-

lich und überschaubar, liegt sie nur

zehn Minuten entfernt und erweist

sich darüber hinaus als überaus flexi-

bel in Bezug auf kurzfristige Unterbrin-

gung außer der Reihe.

Birgit Schälers Lösung:

Pflege zu Hause im „Teilzeit-

modell“

Parallel dazu sucht sie noch ein-

mal über eine private Anzeige nach

Personen, die ihren Vater zeitweise

in seiner eigenen Wohnung be-

treuen – und hat auch hier Erfolg.

So findet sich schließlich ein ganz

individuelles Versorgungsmodell,

das es Birgit Schäler erlaubt, ih-

ren Vater zu pflegen und dabei

weiterhin ihrem Beruf nachzuge-

hen. Zwei Wochen im Monat wird

er von privaten Pflegekräften und

mit zusätzlicher Unterstützung aus

der Nachbarschaft in seiner eige-

nen Wohnung versorgt. Danach

kommt er für zwei Wochen zu Birgit

Schäler und ihrer Familie. Dort wird

er morgens gegen 8.30 Uhr von

einem Taxi* abgeholt und zur Ta-

gespflege gefahren. Um 17.00 Uhr

nimmt Birgit Schäler ihn von dort

aus wieder mit nach Hause. So hat

sie nach der Arbeit noch Zeit für

Einkäufe, Haushalt, ihre Familie –

oder sich selbst.

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Beruf und Pflege