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Den Mehraufwand realistisch betrachten

So reibungslos wie bei Familie Späth lässt sich ein

Haustier nicht immer in den Pflegealltag einbeziehen.

„In jedem Fall bringt ein Haustier zusätzliche Arbeit

für einen pflegenden Angehörigen mit sich“, betont

Elke Müller. „Bei einem Hund etwa ist es nicht damit

getan, ihn dreimal am Tag zwanzig Minuten an der

Flexi-Leine rauszulassen.“ Er braucht mehrfach am

Tag Auslauf, muss regelmäßig auf Zecken untersucht

werden und auch mal zum Tierarzt. Ein Kaninchen-

oder Vogel-Käfig muss sauber gehalten werden, ein

Aquarium und ein Katzenklo ebenso.

Futterbeschaffung und Tierarztbesuche gehören zum

Programm. Bevor ein Haustier angeschafft wird, müs­

sen der Pflegebedürftige und sein pflegender Ange­

höriger deshalb gemeinsam abwägen, ob und wie die­

ser Mehraufwand zu schaffen ist, und dann zusammen

eine Entscheidung treffen. Weitere wichtige Aspekte

sind die individuellen Einschränkungen des Pflege­

bedürftigen, die räumlichen Möglichkeiten und die

Gesamtbelastung des pflegenden Angehörigen. Arbei­

ten ein Pflegedienst oder andere Helfer regelmäßig im

Haushalt, müssen sie in die Entscheidung einbezogen

werden. Nicht jeder mag Tiere, nicht jeder kann mit

ihnen umgehen. K.-o.-Kriterien können hygienische

Bedenken bei großflächigen Wunden oder bestimmten

Erkrankungen des Pflegebedürftigen, aber auch bei

Allergien sein. Dass ein Haustier nicht im Haushalt

lebt, heißt jedoch nicht, dass der Pflegedürftige kom­

plett darauf verzichten muss. „Von Mieten oder Aus­

leihen würde ich aus Tierschutzgründen abraten.

Außerdem muss das Tier eine soziale Kompetenz

haben. Und die muss erlernt sein“, sagt Elke Müller.

Aus ihrer Sicht sind Haustierbesuchsdienste die beste

Alternative.

Regelmäßige Tierbesuche als Alternative

Haustierbesuchsdienste gibt es schon in vielen Städten

Deutschlands, gegründet oft von privaten Dienstleis­

tern oder angesiedelt an Wohlfahrtsverbände. Viele

Besuchsdienste arbeiten regelmäßig mit stationären

Einrichtungen zusammen, sind aber auch in privaten

Haushalten zunehmend gefragt. „Wir organisieren seit

2008 einen Besuchsdienst. Das heißt, wir vermitteln,

dass Ehrenamtliche regelmäßig pflegebedürftige und

ältere Menschen zuhause besuchen“, sagt Kirsten

Prehm, Fachbereichsleiterin Familie und Senioren beim

Diakonie-Hilfswerk in Hamburg. „Irgendwann hatten

wir dann mal eine Freiwillige, die nicht wusste, wohin

mit ihrem Hund in der Zeit des Besuches. Sie durfte

ihn mitnehmen, und das kam sehr gut an.“ Aus einem

Zufall wurde mittlerweile ein Programm: Zehn Ehren­

amtliche und ihre Hunde hat die Diakonie inzwischen

gemeinsam mit einer erfahrenen Hundetrainerin, dem

Ausbildungsleiter der Diensthundeschule der Polizei

Hamburg und einem seiner Fachlehrer für die Besuche

bei älteren Menschen und Pflegebedürftigen ausge­

bildet. „Nicht jeder Hund ist dafür geeignet“, so Prehm.

„Ein guter Grundgehorsam, ein freundliches Wesen

und Stresstoleranz sind wichtige Voraussetzungen.

Das Tier darf auch nicht empfindlich sein, wenn es

zum Beispiel plötzlich angefasst wird.“ Diese Eigen­

schaften werden im Rahmen der Schulung gezielt

trainiert.

Dann sind die Vermittler von der Diakonie dran. „Wir

machen einen Hausbesuch bei denjenigen, die sich

Besuche mit einem Hund wünschen, hinterfragen

ihre Vorstellungen und schauen uns die Möglichkeiten

vor Ort an. Dann gucken wir, welches unserer Teams

passen könnte“, berichtet Prehm. Beim ersten Besuch

ist jemand von der Diakonie dabei. Ziel ist dann, Kon­

tinuität zu schaffen. „In der Regel kommen der Hund

und sein Besitzer einmal pro Woche für zwei bis drei

Stunden zu Besuch.“ Auf dieser Basis kann eine Bezie­

hung zwischen dem Pflegebedürftigen und dem Tier

entstehen.

Für den pflegenden Angehörigen bedeutet diese Kon­

struktion wenig Aufwand, aber gegebenenfalls einen

großen Gewinn, denn während der Pflegebedürftige

mit seinem Besuch beschäftigt oder auch unterwegs

ist, kann er sich Zeit für sich selbst nehmen.

Das Besucherteam erhält bei der Diakonie eine Auf­

wandsentschädigung, in der Regel zehn Euro pro Stun­

de. Den Betrag kann der Pflegebedürftige als Kosten

für niederschwellige Leistungen bei der Pflegekasse

geltend machen.

In Hamburg und anderswo arbeiten die Besuchsdienste

vor allem mit Hunden. „Katzen, Kaninchen oder andere

Haustiere lassen sich deutlich schwieriger transpor­

tieren“, begründet Prehm. Wer mit Hunden nichts an­

fangen kann, sondern sich Besuch von einem anderen

Haustier wünscht, muss mühsam suchen. Oder die

Besuche auf privater Ebene zum Beispiel mit Nachbarn

organisieren. Das kann ja dann auch der Anfang einer

neuen Idee sein.

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Name von der Redaktion geändert

Hunde und Co. in der häuslichen Pflege