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SICHER zu Hause & unterwegs:

Hauptbrandmeister Sven Gerling, Sie sind bei der Berliner

Feuerwehr für die Brandschutzaufklärung und -erziehung

von Kindern zuständig. Kinder sind im Fall eines Brandes

ängstlich. Kann und soll man mit Kindern den „Ernstfall“

üben?

Sven Gerling:

Ja, unbedingt. Kinder experimentieren gern,

spielen gern mit Feuer. Es hat eine Faszination. Zumal es auch

aus einem anderen Grund interessant ist, denn Kerzen und

Geschenke gehören ja irgendwie zusammen – ob zum Ge-

burtstag oder zuWeihnachten. Besser ist es, wenn sie etwas

Alltägliches sind und Kinder damit aufmerksam umgehen

können. Dazu gehört auch das Üben mit Streichhölzern –

natürlich nur im Beisein der Eltern und niemals unbeaufsich-

tigt.Wie mache ich zum Beispiel das Streichholz an? Vom

Körper weg. Zum Versuch gehören eine nichtbrennbare Un-

terlage und ein Glas mit Wasser. Das glühende Streichholz

darf natürlich nicht zurück in die Packung. Das muss man ver-

mitteln: Sowohl der sichere Umgang als auch die Feuergefahr

und das Verhalten bei einem Brand sollten thematisiert wer-

den. Das machen wir Feuerwehrleute in Kindergärten und

Schulen. Auch Eltern können zu Hause darauf eingehen. Der

Nachwuchs muss wissen, wie er sich im Fall eines Brandes

verhalten soll.

Lieber früh als nie? Sind zu kleine Kinder nicht

überfordert?

Eine erste Aufklärung kann zeitig beginnen. Vorschulkinder

verstehen, dass man Feuer nicht anfassen darf. Und sie kön-

nen lernen, was sie tun sollen, wenn der Rauchmelder einen

Brand signalisiert. Dazu müssen sie auch wissen, welcher Ton

die Gefahr anzeigt. Deshalb sollte der Rauchmelder im Bei-

sein der Kinder einmal ausgelöst werden. Feueralarm wird

zum Beispiel an Schulen viel zu selten geübt. Einmal jährlich

– das ist zu wenig. Grundschüler in Amerika haben vergleichs-

weise einmal monatlich in den Schulen den Alarm. Der Not-

fall wird damit zur Routine und die Kinder verlieren die Angst

davor. Das muss das Ziel sein.

Was sollen Kinder im Notfall tun?

Auf keinen Fall selbst löschen. Im Falle eines Brandes sofort

die Tür verschließen und sich oder auch andere Kinder in

Sicherheit bringen. Der Fluchtweg muss klar sein. Und es

sollte eine Alternative durchgespielt werden.Was, wenn

der Fluchtweg versperrt ist? Wenn Kinder darauf vorbereitet

werden, sind sie im Ernstfall nicht völlig überrumpelt und

überfordert. Auf jeden Fall muss es heißen: Schnell aus der

Wohnung raus und einen Nachbarn oder gleich die Feuer-

wehr unter 112 informieren. Einen Notruf abzusetzen, kann

man ab dem Vorschulalter üben. Kinder dürfen keine Berüh-

rungsängste haben, die Feuerwehr anzurufen.Wir sind ge-

schult, um wichtige Informationen abzufragen. Und über

die Rufnummer bekommen wir notfalls sogar schnell die

Adresse raus. Und wenn jemand die Nummer aus Schaber-

nack missbraucht, bekommen wir das durch gezielte Fragen

mit. Auch das sollten Kinder wissen: Die Nummer darf man

nur im Ernstfall anrufen.

Adrienne Kömmler, freie Journalistin, Berlin.

Wie wäre es mit einem

Feuer-Workshop?

Es braucht dafür min­

destens zwei Kinder

imAlter ab fünf Jahren

und einen erwachse-

nen Spielleiter.

Ideen und wertvolle Hinweise, wie Kinder spielerisch den

verantwortungsvollen Umgang mit Feuer lernen, gibt die

Broschüre „

Faszination Feuer

“. Herausgeber sind die Unfall-

kasse Berlin und die Aktion DAS SICHERE HAUS (DSH).

Die Broschüre kann durch das Einsenden von Briefmarken

imWert von zwei Euro bestellt werden:

Bezugsadressen:

Per Post:

DSH, Stichwort „Feuer“

Holsteinischer Kamp 62, 22081 Hamburg

Internet:

www.das-sichere-haus.de/broschueren/kinder

Tipp

Wenn es brennt ...

Wie Kinder richtig reagieren

Interview mit Hauptbrandmeister Sven Gerling, Berlin

Sven Gerling,

Hauptbrandmeister bei

der Berliner Feuerwehr

Der Notruf: gebührenfrei, europaweit

112

5

SI CH E R zu H au s e & un te r we g s

4 /2016

Haushalt