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muss beimWintersport eher unüblichen

Belastungen standhalten. „Beim Ski-

fahren zumBeispiel werdenWirbelsäule

und Muskulatur ungewohnten Stoß-

und Sprungbelastungen ausgesetzt“, er-

läutert Dr. Christian Schaller, Leitender

Oberarzt amKlinikumGarmisch-Parten-

kirchen. Der Teamarzt des Deutschen Ski-

verbandes empfiehlt eine regelmäßige

Skigymnastik, um den Rumpf zu stabili-

sieren sowie Bauch- und Rückenmusku-

latur zu trainieren.„Auf der Skipiste pas-

sieren viele Unfälle morgens oder in den

Nachmittagsstunden – also wenn der

Körper noch nicht warm oder bereits er-

schöpft ist“, weiß Schaller. Ein regelmä-

ßiges Training helfe dabei, beweglicher

und länger belastbar zu werden.

Dies gilt nicht nur für die Belastbarkeit

des Rückens, sondern auch des Knies,

das nach wie vor die häufigste Verlet-

zungsregion für Skifahrer darstellt; ins-

gesamt betrifft mehr als jede dritte Ver-

letzung im Skisport das Kniegelenk. Bei

Männern lag der Anteil der Knieverlet-

zungen zuletzt bei 28 Prozent, bei Frau-

en sogar bei über 44 Prozent. Eine oft

verkannte Verletzung, denn neben den

hohen direkten Behandlungskosten und

der langen Arbeitsunfähigkeit können

Knieverletzungen auch dazu führen,

dass vorher körperlich aktive Menschen

langfristig keinen Sport mehr treiben

können, da sie das Kniegelenk nicht

mehr belasten dürfen.

Ein positiver Trend:

mehr Helme auf der Piste

Auch die richtige Ausrüstung kann dazu

beitragen, dass Wintersportler auf der

Piste unfallfrei bleiben. Dank moderner

Schuhe und Bindungstechniken sind be-

reits heute Verletzungen der unteren Ex-

tremitäten eher selten. Auch der Anteil

der Kopfverletzungen beim Skifahren

geht weiter zurück. Nur noch gut sechs

Prozent aller Verletzungen in der Skisai-

son 2013/2014 betrafen den Kopf. Fach-

leute vermuten, dass dies vor allem der

gestiegenen Helmquote zu verdanken

ist. Vielerorts besteht eine Helmpflicht

für Kinder und Jugendliche bis zu 14 oder

15 Jahren, so etwa in Italien, Kroatien, Slo-

wenien und in einigen Bundesländern

Österreichs.

Dies gilt zwar nicht für Erwachsene, doch

tragen dank erfolgreicher Aufklärungs-

kampagnen in den Skigebieten in Öster-

reich und der Schweiz mittlerweile rund

90 Prozent der Wintersportler freiwillig

einen Helm. Für sie sind die Zeiten längst

vorbei, in denen Skihelme als „unbe-

quem“ oder einfach„hässlich“ verschrien

waren. Die Hersteller von Helmen haben

sich in den letzten Jahren bemüht, das

Image aufzubessern; sie bieten vieleMo-

delle inmodernen Designs an. BeimKauf

eines Helms empfiehlt es sich, unbedingt

die Skibrille mitzunehmen und den Sitz

des Helms ausgiebig imGeschäft zu tes-

ten. Der Helmdarf weder rumschlackern

noch drücken. Er sitzt gut, wenn er bei

geöffnetem Kinnriemen nicht vom ge-

neigten Kopf rutscht.

Sofortmaßnahmen bei Lawinen

Neben den Unfällen besteht imWinter-

urlaub jedoch auch eine andere Gefahr:

Lawinen. Sie können insbesondere au-

ßerhalb der präparierten Pisten zu einer

tödlichen Gefahr werden.Wer den Schritt

3-Antennen-Lawinensuchgerät (LVS)

mit großer Reichweite

Wer einen Unfall auf der Skipiste

beobachtet, sollte umgehend Hilfe

holen!

Europaweit gilt die

112

als Notruf-

nummer.

Diese ist auch ohne SIM-Karte wähl-

bar und nutzt jeweils die stärkste

verfügbare Netz-Anbindung.

Bei Meldung eines Notfalls gelten

auch bei Unfällen im Schnee die

„5 W“

:

Wo ist etwas passiert?

Was genau ist passiert?

Wie viele Verletzte oder

Vermisste gibt es?

Welche Verletzungen liegen vor?

Warten auf Rückfragen.

Im Notfall

Von Sanja Zec, Journalistin, Wiesbaden.

auf eine nicht-präparierte Piste wagt,

sollte daher immer ein Lawinensuchge-

rät (LVS) bei sich tragen, um im Fall einer

Verschüttung schneller aufgefunden

werden zu können. Kann der Lawine

nicht mehr ausgewichen werden, gilt:

Skier so schnell wie möglich lösen, Ski-

stöcke und Gepäck abwerfen, Kauerstel-

lung einnehmen und Unterarme und

Fäuste mit etwas Abstand vor das Ge-

sicht halten, um Platz zum Atmen zu

schaffen. So hat man die besten Chan-

cen,weitestgehend unverletzt gefunden

zu werden.

Regelmäßige Skigymnastik trainiert Bauch- und Rückenmuskulatur

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SI CH E R zuhau s e & un te r we g s

4 /2015

Freizeit