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Sichere Augenblicke

in der Silvesternacht

Silvester ist für die Augen das gefährlichste Fest des Jahres.

Ein Fünftel aller Verletzungen durch Böller und Raketen

betrifft das empfindliche Sehorgan, Augenkliniken haben

Hochkonjunktur. Dabei kann ein umsichtiger Umgang mit

den Knallern das Schlimmste verhindern.

„Am häufigsten sind oberflächliche Verletzungen“, weiß Prof.

Dr. Christian Ohrloff, Pressesprecher der Ophthalmologischen

Gesellschaft (DOG). Das können etwa Verbrennungen am

Augenlid, der Binde- oder Hornhaut sein. „Obwohl sie sehr

schmerzhaft sind, können sie gut verheilen.“

Wenn aber zu viel Hitze auf die Hornhaut einwirkt, trübt sie

sich irreversibel ein. Umdie Sehkraft wieder herzustellen,muss

die Hornhaut durch eine Transplantation ersetzt werden. Noch

gravierender ist es, wenn der Augapfel durch den hohen Druck

einer Explosion birst. Dann kann oft auch eine Notoperation

nicht mehr helfen.

Betrunkene werfen Böller in Menschenmengen

„Unter allen Feuerwerkskörpern sind Böller wegen ihrer hohen

Explosivkraft für die Augen am gefährlichsten“, so Ohrloff. Auf

das Böller-Konto gehen zwei Drittel aller Augenverletzungen,

so eine Studie der Universitäts-Augenklinik Leipzig.„Menschen-

mengen sollteman daher an Silvester meiden“,mahnt Ohrloff,

„denn immer wieder werfen Betrunkene Böller in die Menge.“

Aber auch Raketen können Schäden anrichten.„Einmal hatten

wir einen Patienten, der einfach nur in den Himmel schaute, als

ihn der herabschießende Holzstab einer abgebrannten Rakete

senkrecht ins Auge stach“, erinnert sich der Experte.

Schon beim Einkauf der Knaller ist Vorsicht geboten; man soll-

te sie nur bei seriösen Händlern kaufen und dabei auf die Kenn-

zeichnung„BAM-PI“ oder „BAM-PII“ achten. Diese Feuerwerks-

körper sind von der Bundesanstalt für Materialforschung und

-prüfung zugelassen und enthalten nur die erlaubteMenge an

Schwarzpulver.Wer mit Kinder feiert, sollte wissen, dass unter

12-Jährige nicht mit Feuerwerk hantieren dürfen. Feuerwerks-

körper der Klasse PI, zu denen Knallerbsen und Tischfeuerwerk

gehören, sind ab dem 12. Geburtstag erlaubt. Feuerwerkskörper

der Klasse PII wie Böller oder Raketen dürfen nur von Volljähri-

gen entzündet werden.

Schutzbrillen beugen Schäden

an den Augen vor

Besonnenes Hantieren ist auch bei ausgelassener Stimmung

Pflicht. Böller dürfen nicht in der Hand entzündet werden, son-

dern gehören auf einen festen Untergrund, auch, um einer der

in der Silvesternacht häufigen Handverletzungen vorzubeugen.

Raketen stehen stabil in einer leeren Flasche, die wiederum in

einer Getränkekiste steht. Die Raketen selbst sollten beim Ent-

zünden von den Umstehenden fortzeigen.„Wenn ein Böller oder

eine Rakete nicht zu zünden scheint, nähern Sie sich dem Ge-

genstand auf keinen Fall oder heben ihn gar auf“,warnt Ohrloff.

Zu groß sei die Gefahr, dass der Explosivstoff doch noch zündet.

Die DOG empfiehlt zudem, für alle Familienmitglieder Sicher-

heitsbrillen anzuschaffen. Es gibt sie in jedem Baumarkt. In

skandinavischen Ländern hat sich diese Maßnahme bewährt.

So kann auch in Zukunft nichts ins Auge gehen.

Von Bettina Weigand, Journalistin, Hamburg.

Legale von illegalen Feuerwerkskörpern unterscheiden:

Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung:

www.bam.de

, Stichwort: Silvesterraketen.

Weitere Informationen zu Augenverletzungen durch

Feuerwerkskörper:

www.dog.org

, Stichwort: Silvester.

Tipps zum Weiterlesen

Sicherheitsgeprüfte Silvesterraketen tragen das BAM-Zeichen

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SI CH E R zuhau s e & un te r we g s

4 /2015

Freizeit