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Licht über das Auge aufnehmen

„Antidepressiva helfen weniger als üblich bei der Behandlung“,

erklärt die Psychiaterin. Sie rät in erster Linie zu Licht – und zwar

in rauenMengen. Hierzu sollten sich Betroffene einer Lichtthe-

rapie mithilfe einer speziellen Therapielampe unterziehen, die

helles Tageslicht simuliert.„Bei einer regelmäßigen Behandlung

mit mindestens 10.000 Lux, besser sind 20.000, geht es vielen

Patientinnen und Patienten schnell wieder besser.“

Die Lichttherapie können Betroffene ganz einfach zu Hause

durchführen:„Die Lampen können im Internet oder Fachhandel

erworben werden und sind heutzutage gar nicht mehr teuer“,

so Roth-Sackenheim. „Wir empfehlen, in den Wintermonaten

jeden Morgen eine Stunde lang immer mal wieder für ein paar

Sekunden direkt in die Lampe hineinzublicken. Sie sollte dabei

etwa einenMeter entfernt aufgestellt stehen.“ Der direkte Blick

in die Lichtquelle sei wichtig, da nur so die Lichtimpulse über

die Augen an das Gehirn weitergegeben werden könnten.

„MancheMenschenmeinen,Winterdepression habemit einem

Vitamin-D-Mangel zu tun. Doch dabei handelt es sich umeinen

vollkommen anderen Mechanismus. Hier geht es nicht um die

Lichtaufnahme über die Haut, sondern die Netzhaut des Auges.

Wer unter einer Winterdepression leidet, wird sich also nach

einem Solariumbesuch nicht wesentlich besser fühlen.“

Ein gutes Paar: Bewegung und Licht

Einweiteres sehr wirksames Mittel gegen dieWinterdepression

sei Bewegung.„Ob drinnen oder draußen, es ist erwiesen, dass

sportliche Aktivität den Seratonin-Spiegel im Gehirn erhöht.

Und das wirkt sich positiv auf die Stimmung aus.“ Besonders

effektiv sind viele Spaziergänge an der frischen Luft, egal bei

welchemWetter. Dabei sollteman immer wieder ganz bewusst

in den Himmel blicken. Selbst wenn die Sonne nicht scheint, ist

die Lichteinstrahlung an einembedecktenWintertagmit etwa

2.000 Lux immer noch erheblich höher als in einem Büro mit

etwa 250 bis 750.

Von Sanja Zec, Journalistin, Wiesbaden.

Häufigste Symptome der Winterdepression

Extreme Antriebslosigkeit

Erhöhtes Schlafbedürfnis

Verstärkter Appetit, insbesondere auf kohlenhydrat­

reiche Lebensmittel

Gewichtszunahme

Konzentrationsstörungen

Gefühl der inneren Leere

Gefühl, nutzlos zu sein

Traurigkeit

Fünf Tipps gegen dieWinterdepression

Bewegung an der frischen Luft

Jeder Schritt zählt. Hauptsache, der Kreislauf kommt

in Schwung.

Viel Licht

ImWinter jeden Morgen in eine Therapielampe mit

mindestens 10.000 Lux blicken. Draußen so oft wie

möglich in den freien Himmel schauen.

Gesunde Ernährung

Eiweißreiche Lebensmittel unterstützen die Leistungs-

fähigkeit von Körper und Geist.

Etwas tun, was einem Spaß macht

Der Winter kann bewusst auch für Aktivitäten genutzt

werden, die im Sommer zu kurz kommen, wie zum Bei-

spiel Bücher lesen oder Filme schauen.

Unter Leute gehen

Das sorgt für Ablenkung und vertreibt das Gefühl der

Einsamkeit.

Infobox

Schließlich kann auch eine gesunde Ernährung dazu beitragen,

dieWinterdepression im Zaum zu halten. „Wir empfehlen den

Verzehr von eiweißreichen Lebensmitteln. Eiweiß ist ein unent-

behrlicher Bau- und Reparaturstoff unserer Gehirnzellen. Eine

proteinreiche Ernährung steigert nachweislich die körperliche

und die geistige Leistungsbereitschaft.“ Zu den eiweißreichen

Lebensmitteln gehören Milch, Eier und viele Käsesorten wie

Hartkäse, Harzer Käse, Gouda oder Tilsiter. Zudem liefern auch

Rinderfilets, mageres Schweine- sowie Putenfleisch Proteine.

Generell in den Speiseplan aufgenommen werden sollte Fisch.

Vegetarier und Veganer erhalten Eiweiß aus Hülsenfrüchten

wie Sojabohnen, Kidneybohnen und Linsen. Auch viele Gemü-

sesortenwie Spinat, Brokkoli, Zucchini und Rosenkohl sind reich

an Eiweiß.

Wer den Verdacht hat, unter einerWinterdepression zu leiden,

sollte sich an die Hausärztin oder den Hausarzt wenden. Diese

können abschätzen, ob eine echte Winterdepression oder nur

eine depressive Verstimmung vorliegt. Wird tatsächlich eine

Winterdepression diagnostiziert, erhalten die Betroffenen auf

ihr Krankheitsbild passende Therapien. Frühe Hilfe ist dabei das

A und O:„Je früher eine Depression behandelt wird, desto mil-

der verläuft sie und desto besser sind die Heilungsaussichten“,

so Roth-Sackenheim.

Spezielle Therapielampen sind ein wirksames Mittel gegen

dieWinterdepression.

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SI CH E R zuhau s e & un te r we g s

4 /2015

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