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Sie verkriechen sich in Höhlen, Baumstämmen oder Gebäuden

und bewegen sich nur nochwenig oder gar nicht mehr:Manche

Tiere halten in der kalten Jahreszeit einen Winterschlaf und

schalten in den „Energiesparmodus“. So überbrücken sie die

extreme Kälte und die Nahrungsknappheit imWinter. Viele

Menschen würden es ihnen am liebsten gleichtun. Wenn die

Tage kürzer und dunkler werden, gehört es zum natürlichen

Verhalten, etwas fauler zu sein, mehr zu schlafen und sich ein

wenigWinterspeck anzufuttern.

Einwinterliches Stimmungstief ist noch keine Depression. Doch

wenn neben einemgesteigerten Schlafbedürfnis und Heißhun-

ger-Attacken Freud- und Interesselosigkeit das Seelenleben er-

heblich beeinträchtigen, kann dies auf eine Winterdepression

hindeuten, die Fachleute auch „Seasonal Affective Disorder“,

kurz SAD, nennen. DieWinterdepression ist also – wie die eng-

lische Bezeichnung schon sagt – eine saisonale Depression.

Frauen sind häufiger betroffen

Rund 400.000Menschen in Deutschland, so schätzen Fachleu-

te, plagt die saisonale Depression. Frauen sind viermal häufiger

betroffen als Männer,wobei sich die Symptomemit steigendem

Lebensalter sogar verstärken. „Es gibt Menschen, die eine Ver-

anlagung zurWinterdepression haben“, weiß Dr. Christa Roth-

Sackenheim, Vorsitzende des Bundesverbandes deutscher Psy-

chiater. „Studien zeigen, dass ihr Biorhythmus extrem auf den

Umschwung in die dunkle Jahreszeit reagiert. Schuld daran ist

unter anderemder durch ausgedehnte Dunkelperioden hervor-

gerufene hohe Melatonin-Spiegel, der dafür sorgt, dass die Be-

troffenen sehr müde und lustlos werden.“

Wer unter einer Winterdepression leidet, zeigt viele typische

Symptome einer„ganzjährigen“ Depression. Dazu gehören An-

triebslosigkeit und eine gedrückte Stimmung. Allerdings un-

terscheidet sich dieWinterdepression in zwei Punkten erheblich:

Statt der üblichen Schlaflosigkeit entwickeln saisonal depres-

sive Menschen ein extrem erhöhtes Schlafbedürfnis. Und statt

vor Appetitlosigkeit keinen Bissen herunter zu bekommen, stür-

zen sie sich häufig auf kalorienhaltige Nahrungsmittel, sind

insbesondere dem Süßen sehr zugetan.

DieMehrheit der Betroffenen beginnt imOktober und Novem-

ber, auffällig stark unter den Symptomen zu leiden. Erst imMärz

hebt sich ihre Stimmung wieder, wenn die Tage spürbar länger

werden. Auch die zugenommenen Pfunde purzeln dann meist

wieder schnell.„Fast scheint es so, als obman es mit zwei völlig

voneinander getrennten Persönlichkeiten zu tun hätte“,so Roth-

Sackenheim.

Winterdepression?

Mehr

Licht!

Kein Antrieb, keine Energie, müde und immer hungrig? Das könnten Symptome einer Winterdepression

sein. Sie zeigt sich besonders in der Zeit von November bis Februar. Ursache ist vor allem der Lichtmangel,

der mit der dunklen Jahreszeit einhergeht. Die gute Nachricht: Eine Winterdepression lässt sich in der

Regel mit einfachen Mitteln erfolgreich behandeln.

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SI CH E R zuhau s e & un te r we g s

4 /2015

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