Previous Page  10 / 16 Next Page
Information
Show Menu
Previous Page 10 / 16 Next Page
Page Background

Professor Dr. med. Clemens Becker

Leiter der Abteilung für Geriatrische

Rehabilitation, Robert-Bosch-

Krankenhaus, Stuttgart

Osteoporose

vorbeugen

Interview mit dem Geriater Professor Dr. med. Clemens Becker

Wie kann Osteoporose denn verhindert werden?

Welche Nahrungsmittel sollten unbedingt auf dem

Speiseplan stehen?

Knochen brauchen Kalzium. Und das kann über Mineralwasser

aufgenommen werden, wir sollten ja alle ein- bis anderthalb

Liter Wasser pro Tag trinken. Empfehlenswert sindWasser

mit 500 Milligramm Kalzium. Auch alle Milchprodukte haben

einen relativ hohen Kalziumgehalt. Aber: Um das Kalzium

zu verarbeiten, braucht der Körper Vitamin D. Es steuert den

Stoffwechsel des Knochens. Doch fast alle älteren Menschen

in Deutschland leiden im Herbst undWinter unter einem

Vitamin-D-Mangel.

Vitamin D muss also zusätzlich eingenommen werden?

Richtig. Die Sonneneinstrahlung nördlich der Alpen reicht

von Oktober bis März für Senioren nicht aus, um genug

Vitamin D zu bilden. Deshalb wird empfohlen, in dieser Zeit

täglich 800 oder 1000 Einheiten Vitamin D einzunehmen.

Kann man dafür auf Produkte aus der Drogerie zurück­

greifen, oder sollten sie vom Arzt verordnet werden?

Grundsätzlich sollte man immer erst mit seinem Arzt spre-

chen, denn es gibt Menschen, die kein Vitamin D nehmen

dürfen. Er wird die notwendigen Untersuchungen vornehmen.

Und wenn der Arzt Vitamin D verordnet, kann man sich die

Mittel in der Apotheke besorgen.

Und wie gelingt es, die körpereigene Produktion von

Vitamin D anzukurbeln?

Im Frühling und Sommer reicht es, wenn wir das Gesicht täg-

lich eine halbe Stunde in die Sonne halten, möglichst um die

Mittagszeit. Mehr aber auch nicht ohne Sonnenschutz, sonst

kann verstärkt Hautkrebs auftreten.

Sonne, Kalzium und Vitamin D – reicht das zur

Vorbeugung?

Nein. Das dritte große Thema ist Bewegung.Wir wissen, dass

sich etwa 75 Prozent aller älteren Menschen zu wenig bewe-

Wie lässt sich das Risiko von Knochenbrüchen und Stürzen

im Alter vermindern? Der Osteoporose-Experte Professor

Clemens Becker leitet seit mehr als zehn Jahren die Ab-

teilung „Geriatrische Rehabilitation“ im Robert-Bosch-

Krankenhaus und kennt vorbeugende Maßnahmen, die

sogar Spaß bringen.

SICHER zuhause & unterwegs:

Was ist Osteoporose? Und warum ist sie ein Risiko für

Senioren?

Professor Becker:

Osteoporose bedeutet, dass die Knochenmenge und die

Knochenqualität ummeist mehr als 80 Prozent abgenom-

men haben. Dadurch steigt die Gefahr von Brüchen der Wir-

belsäule und der Knochen. Gleichzeitig kommt es im Alter

häufiger zu Stürzen.Wir wissen: 30 Prozent der Frauen, die

nach denWechseljahren keine Vorsorge betreiben, werden

aufgrund von Osteoporose einen Knochenbruch erleiden,

der oft zu einem Krankenhausaufenthalt führt. Mit ent-

sprechender Prophylaxe kann man das Risiko ummehr

als die Hälfte senken.

Leiden denn nur Frauen unter diesem Knochenschwund?

Nein, aber Frauen sind aufgrund ihrer geringeren Muskel-

masse und ihrer veränderten Hormonausstattung nach

der Menopause dreimal häufiger betroffen als Männer.

Woran erkennt man Osteoporose? Gibt es Warnhinweise?

Die Diagnose kann tatsächlich nur ein Arzt stellen. Aber es

gibt einen einfachen Hinweis: die Körpergröße.Wenn sie

ummehr als drei Zentimeter abnimmt, wird es höchste Zeit

vorzubeugen.

Welche Rolle spielt eine familiäre Vorbelastung?

Ist die Veranlagung zu Osteoporose erblich?

Ja, wir wissen, dass das Risiko, an Osteoporose zu erkranken,

erhöht ist, wenn Mutter und Großmutter oder Tanten bereits

darunter gelitten haben. Insofern gibt es einen genetischen

Hintergrund. Aber wie bei vielen anderen Krankheiten auch

ist er allein nicht entscheidend.

10

SI CH E R zuhau s e & un te r we g s

4 /2015

Senioren