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Interview mit

Stefan Winter,

Ressortleiter Breitenbergsport,

Sportentwicklung und Sicherheits-

forschung und seit 20 Jahren Sicher-

heitsexperte des Deutschen Alpen-

vereins (DAV)

Wie interpretieren Sie die Entwicklung der aktuellen

Unfallzahlen?

Ein Viertel aller Bergunfälle oder Notfälle passieren nach wie

vor beimWandern. Rein zahlenmäßig ist das mehr als in

anderen Bergsportdisziplinen wie Klettern oder Langlauf.

Man muss sich die Unfall- und Notfallzahlen aber genau

anschauen. Der Anteil an Notfällen mit unverletzt geborge-

nenWanderern hat zugenommen. Der Grund sind oft soge-

nannte Blockierungen. Dann verharrt der Betroffene wegen

Erschöpfung oder Angst an Ort und Stelle. Die Zahlen dürfen

aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Wandern eine

gesunde und zudem sicherer gewordene Bergsportdisziplin

ist. Und sie wird immer häufiger betrieben. Das zeigt die

steigende Zahl der DAV-Mitglieder, die aktuell mit 1,1 Millio-

nen in den letzten 20 Jahren auf das Doppelte gewachsen ist.

Etwa 90 Prozent davon sind aktiveWanderer.

Die Blockierungen, von denen Sie sprechen, zeigen eine

Reaktion auf Grund von Überforderung. Verwechselt denn

mancher Wanderer die Bergtour mit einem lockeren Spa-

ziergang durch einen Park?

Ja, so in der Art. Es gibt offenbar Gelegenheitswanderer, die

sich über- und die Natur unterschätzen. Aber auf Bergen gibt

es keine Rolltreppen. Anspruchsvolle Touren erfordern gute

Kondition und oft hohe Konzentration. Und nochmal zur Sta-

tistik: Der klassische Berg-Tote ist männlich, zwischen 40 und

65 Jahren. Besonders über 60-Jährige überschätzen sich und

wollen keine Schwäche zeigen. Sie nehmen die Herausforde-

rung auf die leichte Schulter, gehen zu schnell und zu lange.

Frauen sind da offensichtlich vorsichtiger und nicht so Testos-

teron-gesteuert.Wer anderthalb Stunden unterwegs ist, soll-

te spätestens dann eine Pause machen, etwas essen und vor

allem trinken. Denn die Kohlenhydratreserve ist aufgebraucht,

und es droht Dehydrierung – gerade auch an wärmeren Tagen.

Wer mit Hirn unterwegs ist, achtet darauf. Grundsätzlich gilt:

Wenn die Tour zu lang oder die Kondition zu schwach ist, soll-

te man lieber rechtzeitig umkehren, als sich mit Gewalt zum

Ziel zu kämpfen.

Was ist im Notfall zu tun?

Dann greift die klassische Rettungsschiene. Der Verletzte

muss aus der Gefahrenzone geborgen, Erste Hilfe geleistet

werden. Je nachdem, in welchem Zustand der Betroffene ist:

Beatmung und stabile Seitenlage. Bei offensichtlichen Verlet-

zungen oder fehlender Ansprechbarkeit ist sofort die Berg­

rettung unter 112 zu verständigen.Wenn es gerade keinen

Handyempfang gibt, sollte eine Stelle mit Empfang gesucht

werden. Oder man sucht die nächste Hütte auf, um dort um

Hilfe zu bitten.

Text und Interview: Adrienne Kömmler, freie Journalistin, Berlin.

Wertvolle Hinweise zum gesunden

und unfallfreienWandern in den

Bergen bietet das Faltblatt der DSH

Naturerlebnis statt Wanderunfall

“.

Es ist kostenfrei per Klick über das Inter-

net erhältlich:

www.das-sichere-haus.de/broschueren/

garten-freizeit-urlaub

.

Tipp

Ob allein oder in Gesellschaft – ohne den aufmerksamen Blick

auf den Weg kann es gefährlich werden. Denn wer abgelenkt

ist, den Blick beim Laufen zur Seite oder nach hinten wendet,

sieht Hindernisse oder Unebenheiten

auf der Strecke nicht. Damit stei-

gen die Stolper- undVerletzungs-

gefahren. Auf Nummer sicher

geht,wer denWeg immer auf-

merksam im Blick hat. Wer

dazu noch gut vorbereitet

und bestens ausgerüstet

unterwegs ist, kann das

Wanderglück voll ge-

nießen. Was muss ins

Wandergepäck undmit

auf die Tour?

Ausreichend Getränke (Mineralwasser, Kräutertees)

und leichte Snacks (Brot, Obst, Gemüse, Kekse)

AktuelleWanderkarten

Aufgeladenes Handy

Sonnen- und Regenschutz

Bequeme – am besten knöchelhohe und wasserdichte

Wanderschuhe mit rutschfester Profilsohle (Schnür-

senkel gegen Verheddern sichern)

Wanderstöcke zur Gelenkentlastung

Checkliste zur Vorbereitung:

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SI CH E R zu H au s e & un te r we g s

3/2016

Freizeit