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heit und der Bausubstanz. „Liegt die

Luftfeuchtigkeit im Innenraum dauer-

haft bei 80 Prozent oder höher, kann sich

an den Oberflächen Schimmel bilden“,

warnt Dr. Kersten Bux von der BAuA. Spo-

ren und Stoffwechselprodukte der

Schimmelpilze, die in die Luft gelangen,

können die Atemwege reizen, allergische

Reaktionen der Haut sowie der Atem­

wege verursachen und sogar Asthma-

anfälle auslösen. Luftfeuchtigkeit lässt

sichmit einemHygrometer ganz einfach

messen. Preiswerte Modelle gibt es zum

Beispiel im Baumarkt.

Für Feuchtigkeit in der Luft sorgt in erster

Linie der Mensch selbst. Neben Tätigkei-

tenwie Baden, Duschen und Kochen pro-

duziert Homo sapiens auch beimAtmen

und Schwitzen jedeMenge Feuchtigkeit.

Wie die deutschenVerbraucherzentralen

auf ihrem gemeinsamen Internetportal

angeben, kommen in einem Vier-Per-

sonen-Haushalt schnell sechs bis zwölf

Liter am Tag zusammen.

Damit sich kein Schimmel bildet, muss

die Feuchtigkeit nach draußen abgege-

benwerden. Dies geschieht über die Luft.

Warme Luft nimmt Feuchtigkeit sehr gut

auf und transportiert sie beim Lüften

nach draußen. Kalte Luft hingegen kann

deutlich weniger Feuchtigkeit aufneh-

men. Ist es drinnen zu kühl, kann sich die

Feuchtigkeit an kalten Oberflächen wie

den Außenwänden absetzen – ein her-

vorragender Nährboden für Schimmel.

Neben regelmäßigem Lüften muss also

auch ausreichend geheizt werden. Dabei

sollte die Raumtemperatur nicht unter

17° Celsius sinken, rät die Bundesanstalt

für Immobilienaufgaben.

Dicke Luft

Zu einemguten Raumklima gehört auch

qualitativ gute Luft, denn „dicke Luft“

macht unzufrieden. Dieses Gefühl stellt

sich ein, wenn in der Raumluft ein zu

hoher Gehalt an Kohlendioxid (CO 2 ) ist,

das beim Ausatmen freigesetzt wird.

ZumKohlendioxid können noch Geruchs-

oder Schadstoffe aus Möbeln oder Bau-

materialien hinzukommen, so die Ver-

braucherzentralen. Diese Einflüsse stören

die Konzentration und machen müde.

Besonders in Räumen ohne Klimaanlage

beziehungsweise Lüftung ist der CO 2 -

Gehalt oft zu hoch. Richtiges Lüften ist

gerade hier wichtig.

Stoßen oder Kippen?

Aber was ist richtiges Lüften? Stoßlüften

oder das Fenster auf Kipp? Die klare Ant-

wort lautet: Stoßlüften mit vollständig

geöffneten Fenstern. Pro Tag sollte jeder

Raumzwei bis drei Mal gründlich gelüftet

werden, am besten morgens nach dem

Aufstehen und abends vor demSchlafen-

gehen.Wer tagsüber zu Hause ist, sollte

zusätzlich auch in der Mittagszeit die

Fenster öffnen.

Noch effektiver ist das Lüften, wenn

Durchzug hergestellt wird („Querlüf-

tung“). Die Dauer hängt von Jahreszeit

undWetter ab. Es gilt: Je kühler es drau-

ßen ist, umso kürzer kann gelüftet wer-

den. Im Frühling, Herbst undWinter rei-

chen zwei bis fünf Minuten aus, imSom-

mer sollten es fünf bis zehn Minuten

sein.

In Herbst und Winter kann beinahe zu

jeder Zeit gelüftet werden, im Sommer

hingegen frühmorgens oder am Abend,

wenn sich die Hitze gelegt hat. So wird

verhindert, dass schwül-warme Luft ins

Innere gelangt. Räume mit viel Wasser-

Von Thea Buchholz, Mitarbeiterin der Pressestelle der Bundesanstalt für Arbeitsschutz

und Arbeitsmedizin (BAuA), Dortmund.

Tipps zum richtigen Lüften bietet zum Beispiel das Umweltbundesamt im

Internet:

www.umweltbundesamt.de,

Suchbegriffe: lüften, Schimmelbildung.

Tipps

dampf wie Badezimmer und Küche müs-

sen häufiger und vor allemzeitnah gelüf-

tet werden. Das gilt auch, wennWäsche

in derWohnung getrocknet wird.

Eines sollte jedoch gerade in der kalten

Jahreszeit möglichst vermieden werden:

Fenster kippen. Bei dieser Art zu lüften

geht deutlich mehr Wärmeenergie ver-

loren als beim Stoß- oder Querlüften,

weil durch das gekippte Fenster der Luft-

austausch lange dauert und der Raum zu

stark auskühlt.

Neubau und Sanierung

Auch in modernen Neubauten sind

Schimmel und Luftqualität aktuelle Pro-

bleme. Dreifach verglaste Fenster und

eine umfangreiche Isolierung dichten

das Haus gründlich ab, umdieWärme im

Innenraum zu halten und so Energie zu

sparen. Mit der Wärme bleibt aber auch

die Feuchtigkeit imHaus. Daher muss ge-

rade in modernen Häusern ohne Klima-

technik regelmäßig gelüftet werden.

Beim Neubau müssen zudem die ver-

wendeten Materialien vollständig aus-

trocknen. Dies kann ein bis zwei Jahre

dauern, so das Umweltbundesamt. Auch

nach einer Sanierung kann sich ein hö-

heres Maß an Feuchtigkeit in der Woh-

nung befinden, die durch vermehrtes Lüf-

ten abgeführt werden muss. Möbel soll-

ten deshalb einen Abstand von mindes-

tens zehn Zentimetern zurWand haben,

damit sich zwischen Mobiliar undWand

keine Feuchtigkeit absetzt und die Luft

ausreichend zirkulieren kann.

Hygrometer

Stoßlüften im Sommer 5–10 Minuten

Stoßlüften imWinter 2–5 Minuten

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SI CH E R zu H au s e & un te r we g s

3/2016

Haushalt