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Wegkratzen genügt nicht –

Schimmel auf Lebensmitteln

Pelzig und blau, grün oder weiß – Schimmel hat viele

Gesichter und ist oft schon da, bevor man ihn

sieht. Zwar befinden sich Schimmelpilze

und deren Sporen überall in unserer

Umwelt, doch können sie zu einem

Gesundheitsrisiko werden. Vor allem,

wenn sie in größeren Mengen vor-

kommen, wie etwa in Lebensmitteln.

Gemeint sind damit nicht sogenannte Kulturschimmel, wie in

Blauschimmelkäse, auf Camembert oder Salami. Diese ungif-

tigen Edelschimmel sollen Lebensmitteln einen besonderen

Geschmack verleihen. Anders sieht es bei Schimmelarten aus,

die giftige Stoffwechselprodukte bilden. Das Tückische an die-

sen Mykotoxinen ist, dass sie bereits vorhanden sein können,

wenn der Schimmel noch unsichtbar ist.

Wo fühlt sich Schimmel wohl?

Besonders von Schimmelbefall gefährdet sind Lebensmittel mit

hohemWassergehalt, die feucht-warm gelagert werden. Dazu

zählen Obst, Säfte, Gemüse, Konfitüren mit geringem Zucker-

gehalt, Nüsse, Fleischerzeugnisse, Milch- und Getreideproduk-

te. Auch Kaffee oder Trockenobst sind Nährboden einiger Schim-

melarten. Weniger anfällig sind Lebensmittel mit hohem Zu-

cker-, Salz- oder Fettgehalt. Eine Garantie für Schimmelfreiheit

besteht jedoch nicht.

Schimmelige Lebensmittel entsorgen

Schimmelspuren auf Brot, Marmelade oder Obst sind oft das

Todesurteil für das Lebensmittel, denn der sichtbare Teil des

Schimmels ist nur die„Spitze des Eisbergs“. Über sein feines, in

die Tiefe wachsendes Fadengeflecht (Myzel) ernährt sich der

Pilz. Er ist somit viel größer, als seine sichtbaren Anteile erken-

nen lassen. Undweil den hitzestabilenMykotoxinen auch nicht

Von Annemarie Wegener, Referentin für Sicherheit und Gesundheit

bei der Aktion DAS SICHERE HAUS (DSH), Hamburg.

Mit den folgenden Tipps lässt sich das Risiko einer

Schimmelausbreitung minimieren:

Nur so viel einkaufen, wie in absehbarer Zeit verbraucht

wird

Lebensmittel kühl und trocken lagern

Angebrochene Lebensmittel im Kühlschrank auf-

bewahren

Kühlschränke und Brotkästen regelmäßig reinigen,

etwa mit Essigessenz oder reinem Alkohol (> 70 Prozent)

Schimmelige Lebensmittel sofort von noch frischen

trennen und nicht mehr verzehren oder weiterver­

arbeiten

Betroffenes Obst, Marmelade, Schnittbrot, Getreide,

Müsli oder Flüssigkeiten wie Obstsäfte komplett

entsorgen

Lebensmittel, die untypischerweise muffig riechen,

entsorgen

Tipps für zu Hause

durch Kochen, Backen oder Braten beizukommen ist,

sollten betroffene Lebensmittel entsorgt werden.

Wer von Schimmel befallene Stellen nur abkratzt

oder abhebt, riskiert typische Symptome einer

Vergiftung wie Erbrechen, Schleimhautschäden

oder die Schwächung des Immun-systems. Und

wer über einen längeren Zeitraum schimmelige

Lebensmittel selbst in kleinenMengen isst,muss

mit allergischen Reaktionen und Schäden an Leber, Nieren

und Nervensystem rechnen. Auch Krebserkrankungen können

durch eine schleichende Vergiftung entstehen.

Trotz ihres hohen Fettgehalts werden Nüsse, Mandeln und Kerne bei

falscher Lagerung oft von Schimmel heimgesucht. Seine Giftstoffe gehören

zu den stärksten in der Natur. Deshalb ist hier besonders auf Anzeichen eines Befalls

zu achten. Schon ein feines Geflecht am Kern, wie häufig bei Walnüssen, ist ein Hin-

weis auf Schimmel.Muffig riechende, bitter oder verdorben schmeckende Nüsse soll-

ten entsorgt werden – bei gemahlenen Nüssen immer die gesamte Packung! Und um

eine Überlagerung zu vermeiden, ist es nach der Weihnachtsbäckerei wichtig, die

Reste aufzubrauchen – oder einzufrieren: Nüsse sind dann bis zu einem Jahr haltbar.

We

Im Internet gibt es

Rezepte für leckere

Reste-Kuchen.

Einfach das Wort

„Restekuchen“ in

eine Suchmaschine

eingeben.

Tipp: Reste-Kuchen

Mykotoxine in Nüssen, Mandeln und Kernen:

Stärkste Gifte der Natur

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SI CH E R zu H au s e & un te r we g s

3/2016

Haushalt