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nach Unregelmäßigkeiten: Ist schon

mehrere Tage keinWasser in der Dusche

geflossen? Steht die Haustür länger offen

als gewöhnlich? Sind die Fenster regel-

mäßig für mehrere Minuten geöffnet?

Ist es zu lange still in der Küche? Regis-

triert das System solche Auffälligkeiten,

schlägt es Alarm.

„Was normal und was auffällig ist, lernt

die Software im Laufe der Zeit“, sagtWil-

kes. „Außerdem können die Bewohner

und ihre Angehörigen selbst Regeln fest-

legen.“ Steht dieWohnungstür tagsüber

zehnMinuten offen, könnte ein Schwätz-

chen mit dem Nachbarn dahinterste-

cken. Nachts ist eine geöffnete Tür aller-

dings schon merkwürdig. „Die Technik

sollte immer dazu da sein,mir zu helfen.

Siemuss unter meiner Kontrolle bleiben“,

so die AAL-Expertin. Dazu gehört für

Wilkes auch, dass die Bewohner und ihre

Angehörigen selbst entscheiden können,

wer imZweifelsfall alarmiert werden soll.

„Wenn ich mal vergesse, den Wasser-

hahn abzudrehen, muss nicht gleich

der Pflegedienst gerufen werden“, sagt

Wilkes. Eine automatische Benachrichti-

gung an Nachbarn oder die Familie reiche

in einem solchen Fall. Diese können dann

vorbeigehen oder anrufen, um zu fragen,

ob alles in Ordnung ist.

Datenschützer warnen

Assistenzsysteme – unsichtbar, lernfä-

hig, individualisierbar und leicht zu be-

dienen – klingen noch wie Zukunfts-

musik, doch es gibt sie bereits und das

sogar relativ preiswert. Einzelne Sen-

soren kosten meist zwischen 50 und

100 Euro, Komplettpakete sind ab etwa

700 Euro verfügbar. Doch die Systeme

sollten nicht bedenkenlos eingesetzt

werden, da die Sensoren umfassend In-

formationen über den persönlichen Le-

bensraum aufzeichnen.„ImAAL-Bereich

erhobene und verarbeitete personen-

bezogene Gesundheitsdaten gelten nach

dem Bundesdatenschutzgesetz als be-

sonders sensibel“, sagt Bernd Schütze,

Leiter des Bereichs Datenschutz und IT-

Sicherheit im Gesundheitswesen der

Deutschen Gesellschaft für Medizinische

Informatik. Datenschützer mahnen einen

umsichtigen Einsatz der Sensoren an und

empfehlen, auf größtmögliche Transpa-

renz und Kontrollmöglichkeiten zu ach-

ten.„Wichtige Fragen, die Sie einem An-

bieter stellen sollten, sind:Wer hat wann

unter welchen Bedingungen welchen

Zugriff auf welche Daten? Wie wird der

Zugriff kontrolliert? Kann ich hinterher

auch nachvollziehen, was geschah?“,

empfiehlt Schütze. Ein seriöser Anbieter

sollte transparent erklären, wofür er die

erhobenen Daten verwendet. In jedem

Fall müssen die Bewohner einer Woh-

nung zustimmen, bevor ein System ins-

talliert wird, das Daten erhebt.

Ohne datenschutzrechtliche Bedenken,

dafür einfach zu installieren und er-

schwinglich, ist eine Flurbeleuchtung, die

den nächtlichen Gang zur Toilette siche-

rer macht. In der Berliner Musterwoh-

nung des Projekts „Ermündigung“, des-

sen SchirmherrinWilkes ist, löst der„Toi-

lettengang“ regelmäßig Begeisterung

aus. Ein Funkschalter, der an jede ge-

wünschte Stelle geklebt werden kann,

schaltet mit einem Klick die Nacht-

tischlampe, LED-Lichter entlang der Fuß-

Von Maike Jaspers, Journalistin, München.

Informationsportal des Bundesministeriums für Bildung und Forschung

zum Thema AAL:

www.aal-deutschland.de

Musterwohnung des Projekts „Ermündigung“:

www.ermuendigung.de

Infos der KfW-Bank zum altersgerechten Umbau mit AAL:

www.kfw.de/

inlandsfoerderung/Privatpersonen/Bestandsimmobilien/Barrierereduzierung

Der Verein Barrierefrei Leben e.V. bietet deutschlandweit Wohnberatung:

www.barrierefrei-leben.de

Deutschlandweites Verzeichnis vonWohnberatungsstellen:

www.bag-wohnungsanpassung.de/adressen.html

Informationen

bodenleiste im Flur und das Licht imBad

an. Damit sinkt das Risiko für einen

nächtlichen Sturz. Die reinen Material-

kosten liegen bei etwa 150 Euro, hinzu

kommt der Lohn für einen Elektriker, der

den Empfänger einbauen muss. Je auf-

wändiger die Technik ist, umso teurer

wird sie. Motorisierte Fensteröffner, ab-

senkbare Herdplatten oder das Pflege-

bett mit Aufstehhilfe erfordern deutlich

größere finanzielle Investitionen. Unter-

stützungsmöglichkeiten beim altersge-

rechten Wohnungsumbau bietet zum

Beispiel die KfW-Bank. Auch über die

Pflegekasse gibt es bei Vorliegen einer

Pflegestufe Zuschüsse für technische

Hilfsmittel.

Hilfsmittel früh ins Wohnen

integrieren

AAL-Systeme zielen zwar darauf ab, alten

Menschen ein selbstbestimmtes Woh-

nen zu ermöglichen. Aus Sicht der Exper-

tin lohnt es sich aber, Hilfsmittel schon

früher einzuführen. Durch ihre Erfahrung

in verschiedenen Musterwohnungen

weiß sie, dass auch Jüngere den Komfort

zu schätzen wissen, etwa die manuell

absenkbaren Gardinenstangen. Auch für

den frei platzierbaren Funklichtschalter

gibt es „junge“ Ideen, etwa dessen An-

bringen auf kinderfreundlicher Höhe.

Barrierefreies Badezimmer

Fenster mit manuell absenkbarer Gardinenstange

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SI CH E R zuhau s e & un te r we g s

3/2015

Senioren