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Die schlaue Wohnung

der Zukunft

Wenn die 84-jährige Elisabeth Breuer

nachts aufwacht, weil die Blase drückt,

betätigt sie als Erstes den großen Schal-

ter auf ihrem Nachttisch. Jetzt ist der

Weg vom Schlafzimmer bis ins Bad so

hell beleuchtet, dass sie mit ihremRolla-

tor sturzfrei zur Toilette gelangen kann.

Dort, imBad, unterstützen Haltestangen

das sichere Bewegen.

Am Morgen hilft ihr das Bett beim Auf-

stehen, denn die Matratze klappt elek­

trisch in eine Sesselposition hoch. In der

Küche lässt Elisabeth Breuer den Küchen-

schrank zu sich herunterfahren, um die

Kaffeedose zu entnehmen. Bevor sie zum

Einkaufen das Haus verlässt, knipst sie

auf den General-Aus-Schalter – Kaffee-

maschine und Herd sind nun mit Sicher-

heit ausgeschaltet.Während ihrer Abwe-

senheit lüftet ihre Wohnung dank elek-

trischer Fensteröffner gut durch, bis die

Luftfeuchtigkeit wieder optimal ist.

Dies ist ein fiktives Szenario. Doch könn-

te der Alltag in vielen deutschen Senio-

renwohnungen so aussehen.„Technisch

ist heute schon sehr viel möglich“, sagt

Birgit Wilkes, Leiterin des Instituts für

Gebäudetelematik an der Technischen

Hochschule Wildau. Immer neue Ent-

wicklungen kommen auf den Markt;

„Ambient Assisted Living“ (AAL, auf

Deutsch etwa: Leben in angepasster

Umgebung) boomt. Das hat einen guten

Grund. Schon 2030werden nach Berech-

nungen des Statistischen Bundesamtes

22Millionen Deutsche und damit fast ein

Drittel der Bevölkerung über 65 Jahre alt

sein.Verständlicherweise möchten viele

Menschen so lange wie möglich in den

eigenen vier Wänden leben, auch bei

einer Erkrankung oder eingeschränkter

Mobilität. Doch bisher fehlt es an geeig-

netenWohnungen.

Assistenzsysteme ermöglichen ein selbstständiges Leben bis ins hohe Alter. Dabei muss es nicht immer

Hightech sein. Kleine Helfer, einfach zu installieren und bezahlbar, setzen sich immer mehr durch.

Sicherer Komfort wird bezahlbar

Viele der verfügbaren technischenMög-

lichkeiten werden bisher wenig genutzt.

Grund dafür ist vor allemder Preis.„Aber

langsam kommen wir in den bezahlba-

ren Bereich. Vor allem einfache Hilfsmit-

tel setzen sich immer mehr durch“, sagt

AAL-Expertin Wilkes. Dazu gehört etwa

das hauseigene Notrufsystem. Heute ist

noch der mobile Notrufknopf weit ver-

breitet, der „Funkfinger“, den Senioren

bei sich tragenmüssen. Er wird nach Ein-

schätzung der Expertin künftig durch ein

System unterschiedlicher Sensoren ab-

gelöst.„DieWohnung passt dann auf ihre

Bewohner auf“, so Wilkes. Im Bad misst

ein Durchfluss-Sensor,wann undwie viel

Wasser fließt. Detektoren an Türen und

Fenstern erkennen, ob diese geöffnet

sind. Ein Mikrofon in der Küche nimmt

den Geräuschpegel auf. Eine Software

wertet alle Informationen aus und sucht

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SI CH E R zuhau s e & un te r we g s

3/2015

Senioren