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Andreas Holfeld

VdS-anerkannter Sachverständiger

für elektrische Anlagen

Strom in

Altbauten

Basteleien von Laien bergen große Risiken

Den findet auch ein Laie im Sicherungskasten. Mehrere RCDs

und aktuelle Prüfplaketten weisen auf verantwortungsvolles

Handeln des Vermieters hin, denn in geschätzt vierzig bis

fünfzig Prozent der Bäder und in achtzig Prozent der restli-

chen Räume gibt es noch keinen RCD für Endstromkreise.

Und was mache ich als Besitzer bei Modernisierungs­

bedarf? Reicht der E-Check?

Der E-Check ist eine umfassende Prüfung der Elektroinstallati-

onen samt Messungen an allen relevanten Stromkreisen und

Betriebsmitteln. Hinzu kommt die Empfehlung zu notwendi-

gen Reparaturen oder Verbesserungen der Anlage und ein pas-

sendes Angebot, um die Mängel abzustellen. Der E-Check wird

von eingetragenen Innungsbetrieben der Elektroinnung ange-

boten und nach den Richtlinien des Zentralverbandes der deut-

schen elektrotechnischen und informationstechnischen Hand-

werke ausgeführt. Ich kann das nur empfehlen.

Der VDE empfiehlt für Wohnungen eine Inspektion der elek-

trischen Anlage alle zehn Jahre oder bei Mieterwechsel. Nur

Elektrofachkräfte dürfen Elektroarbeiten ausführen.

Was mache ich, wenn eine Modernisierung nötig ist?

Bei den örtlichen Energieversorgern gibt es Verzeichnisse

der eingetragenen berechtigten Installationsfirmen.Weitere

Ansprechpartner sind die Elektroinnungen oder Handwerks-

kammern. Bei Problemen kann man anerkannte Sachverstän-

dige der Elektrotechnik konsultieren. Sie sind bei den Hand-

werkskammern, bei der IHK oder auch beim VdS gelistet.

Kann ich einige leichtere Arbeiten auch selbst ausführen?

Die immer wieder vorgenommene Bastelei von Laien an elek-

trischen Anlagen ist ein großes Risiko. Davon kann ich nur ab-

raten. Ich finde auch Baumärkte unverantwortlich, die kom-

plette Installationspakete zum Selbstbau der Elektrik eines

Einfamilienhauses verkaufen. Dem Einzelnen wird vorgegau-

kelt, dass Elektroinstallation ein Kinderspiel sei. Das stimmt

aber nicht. Ein Elektrolaie kann Gefahren nicht immer erken-

nen und so handeln, dass sie vermieden werden.

Wenn die Leitung einmal verlegt und verputzt ist, kann auch

ein Fachmann nicht mehr sicher bestätigen, dass alles in Ord-

nung ist.

Haben Sie ein konkretes Beispiel zum Thema

„Eigen“-Installationen?

Vor kurzem sprach mich eine Frau an, die einige Jahre zuvor

zusammen mit ihrem Lebensgefährten einen Elektroherd

in „Eigenleistung“ angeschlossen hatte. Bei bestimmten

Berührungen und Einstellungen spüre sie seitdem ein „elek­

trisches Kribbeln“. Jetzt, wo sie ein Kind erwarte, wolle sie

ein eventuelles Risiko ausschließen. Bei der Überprüfung

wurde festgestellt, dass bei Anschluss des Herdes eine Strom-

leitung angebohrt worden war. Das zeigt deutlich die große

Gefahr von eigenen Basteleien an Altanlagen.

Das Gespräch führte Dr. SusanneWoelk.

In vielen Altbauten werden Stromleitungen oft über Jahre

nicht kontrolliert oder erneuert. Dadurch können Gefahren

drohen.Wie erkennen Mieter und Eigentümer, ob ihre Elek-

troanlage noch auf der Höhe der Zeit ist? Was ist zu tun,

wenn dies nicht der Fall ist?

Darüber sprachen wir mit Andreas Holfeld, VdS-anerkannter

Sachverständiger für elektrische Anlagen.

SICHER zuhause & unterwegs:

Herr Holfeld, was erwartet mich, wenn ich in eine alte Immo-

bilie ziehe?

Andreas Holfeld:

Viele ältere Elektroanlagen sind fehlerhaft. Leitungen ent-

sprechen nicht mehr dem Stand der Technik. An Steckdosen

sind durch Malerrollen übermalte Schutzkontakte nach hin-

ten gedrückt oder abgebrochen. Dosen werden nach einer

Renovierung falsch wieder angeschlossen.

Dann kommt es vor, dass ältere Klemmstellen vielfach noch

mit Schraubverbindungen hergestellt sind, die sich lockern

können. Besonders gefährdet sind in den alten Bundeslän-

dern Anlagen, die vor 1973 installiert wurden. Sie haben nur

zwei Adern ohne separaten Schutzleiter, der auch nicht nach-

gerüstet werden musste. Der geerdete, sogenannte Null-Lei-

ter übernimmt in diesen alten Anlagen gleichzeitig die Funk-

tion des Schutzleiters und des Rückleiters. Durch Lockerung

der Klemme infolge Alterung oder durch angebohrte Kabel

wird der Schutz durch Erdung aufgehoben und es kann an

den Schutzkontakten zu riskanten Berührungsspannungen

von mehr als 50 Volt kommen. Das ist der gefährliche Fall

des Neutralleiterbruchs.

Was kann passieren?

Bei einem Neutralleiterbruch ist in dem Fall nicht mehr der

Neutralleiter die Stromrückführung zur Erde, sondern die vor

einem defekten Gerät mit Metallgehäuse stehende Person.

Ihr Körper nimmt quasi die Rolle des Schutzleiters ein. Durch

diese Person fließt ein Strom, sie bekommt einen „Schlag".

Ein Laie kann den Zustand der elektrischen Anlage meist

nicht erkennen.Wie kann ich das als Mieter herausfinden,

ohne es mir gleich mit dem Vermieter zu verderben?

Eine direkte gesetzliche Verpflichtung für Eigentümer zur

Überprüfung bestehender Elektroanlagen gibt es nicht. Ein

erster Hinweis auf Sicherheit ist allerdings ein FI-Schutzschal-

ter, auch RCD („Residual Current protective Device“) genannt.

FI-Schutzschalter

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SI CH E R zuhau s e & un te r we g s

3/2015

Haushalt