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Kohlenmonoxid –

ein tückisches Gift

Es riecht nicht, ist unsichtbar, reizt weder Haut noch Augen –

und es wirkt sehr schnell: Kohlenmonoxid (CO) ist ein

tückisches Gift. Und ein extrem gefährliches.

122 der 130Menschen, die 2014 in Deutsch-

land durch einen CO-Unfall ums Leben

kamen,starben daran in ihren eigenen

vierWänden oder in der Freizeit.

CO ist offensichtlich ein viel zu

unbekanntes Risiko.

Noch glimpflich kamen die zehn Be-

wohner eines Mehrfamilienhauses im

nordrheinwestfälischen Hagen Anfang

dieses Jahres davon. Ein Ehepaar war durch

das Einatmen des Gases schon bewusstlos

und schwebte in Lebensgefahr. Gerettet

wurde es durch den Einsatz einer speziel-

len Druckkammer. Die anderen acht Be-

wohner wurden nur leicht verletzt. Schuld

an der hohen Kohlenmonoxid-Konzentra-

tion war vermutlich eine Gastherme, die

zu wenig Sauerstoff aus der Umgebungs-

luft ziehen konnte.

Hausbesitzer in der Pflicht

Ob das Haus in Hagen kurz vor der

Beinahe-Katastrophe saniert und

gedämmt wurde, ist nicht

bekannt.Tatsächlich können

aber baulicheMaßnahmen,

die für behagliche Wärme

sorgen sollen, solche fatalen

Folgen haben. Dann nämlich,

wenn alle Fugen so abgedich-

tet werden, dass Frischluft

und Abgase weder ein-

dringen noch entwei-

chen können. „Darum

muss der Schornstein-

feger unbedingt kom-

men, wenn zum Beispiel

neue Fenster und Türen ein-

gebaut worden sind. Und zwar

unverzüglich“, sagt Stephan

Langer, Sprecher des Bundesver-

bandes der Schornsteinfeger.

Dies ist sogar per Gesetz vorge-

schrieben. Doch viele Menschen

würden die Kehr- und Überprüfungsordnung (KÜO)

nicht kennen, stellt Langer immer wieder fest. Dabei

gilt sie bereits seit 2013 und besagt, dass derjenige,

der die baulichen Maßnahmen veranlasst hat – also

in den allermeisten Fällen der Hausbesitzer – auch da-

für sorgenmuss, dass der Schornsteinfeger gleich nach

der Fertigstellung zur Überprüfung angefordert wird.

Unbedingt gerufen werden sollte der Schornstein-

feger auch, wenn auffallend oft Dohlen das Haus um-

kreisen und dabei vielleicht noch Stöckchen und Moos

im Schnabel tragen. Denn seit es den großen Raben-

vögeln an natürlichen Nistplätzen fehlt, bauen sie ihre

Nester gern in Schornsteinen. In Ahlen löschte so ein Nest

2014 eine ganze Familie aus. Mutter, Vater und zwei Kinder

erstickten an Kohlenmonoxid, weil die Vögel den Kamin

verstopft hatten und das giftige Gas nicht entweichen

konnte.

Mehrmals in derWochemüssen bundesweit Schornstein-

feger ausrücken, um Dohlennester aus den Schloten zu

beseitigen, sagt Stephan Langer. Doch leider käme es min-

destens ein Mal im Jahr zu einem schweren Kohlenmonoxid-

Unfall, verursacht durch ein Dohlennest. Deshalb rät der Fach-

mann: „Wer in einer Gegend wohnt, in der diese Vögel leben,

sollte ein Dohlenschutzgitter auf den Kamin setzen.“ Die gibt

es in einer Preisspanne von 30 bis 150 Euro in vielen Baumärk-

ten oder im Internet. Vor selbstgebauten Schutzgittern warnt

Langer allerdings. Die Vögel seien sehr geschickt und könnten

beispielsweise einen zu feinen Draht leicht aufhebeln.

Ob in der Wohnung, beim Grillen oder in der Shisha-Bar: Immer wieder ereignen sich schwere

Unfälle durch Kohlenmonoxid – oft mit tödlichem Ausgang. Experten erklären, wie es zu den

Vergiftungen kommen kann, und empfehlen Schutzmaßnahmen.

Dohlenschutzgitter für Schornsteine

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SI CH E R zu H au s e & un te r we g s

2/2016

Haushalt