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„Fast alle Erwachsenen, die nicht schwimmen können, hatten

als Kind keine Gelegenheit, es zu lernen“, sagt HeikeMenck. Bei

Filiz Aksoy war es auch so. Sie wuchs in der Türkei auf, in einem

kleinen Ort nahe der syrischen Grenze. Das Meer war fern, die

Familie hatte wenig Geld, an Reisen war nicht zu denken. „Ich

habe aber auch nichts vermisst, ich kannte es ja nicht anders“,

so Filiz Aksoy.

Als Jugendliche kam sie nach Deutschland,mit 17 Jahren wurde

sie das erste Mal Mutter. Ihre drei Großen lernten natürlich

schwimmen. Aber erst mit Gökhan, ihrem Nachzügler, hat sie

sich als Nichtschwimmerin geoutet, weil sie diesen Zustand

ändern wollte.

„Ich glaube, Frauen fällt es leichter zuzugeben, wenn sie etwas

nicht können“, sagt Heike Menck. Deshalb seien Frauen auch

eher an einem Schwimmkurs interessiert als Männer. Wobei

niemand genau weiß, ob genauso viele Männer nicht schwim-

men können wie Frauen; die Geschlechterverteilung unter er-

wachsenen Nichtschwimmern ist unbekannt. Allerdings er-

trinken weit mehr Männer als Frauen; 80 Prozent der 392 Per-

sonen, die 2014 in deutschen Gewässern ertranken,warenMän-

ner.„Leider beobachten wir das seit Jahren. Häufig sind Selbst-

überschätzung und Alkohol im Spiel“, erklärt AchimWiese von

der DLRG. Wie viele Nichtschwimmer unter den Todesopfern

waren, kann der Pressesprecher nicht sagen. Dies wird nicht

erfasst. Aber mehr als 50 Prozent aller Ertrunkenen waren älter

als 50 Jahre.

Schwimmen zu lernen ist in jedem Alter möglich

Doch nicht schwimmen zu können, ist nicht nur ein Risiko. Es

bedeutet oft auch Einschränkung. Denn wer nicht schwimmen

kann,muss bei gemeinsamen Unternehmungen oft zurückste-

Von Elisabeth Hübner, Journalistin, Hamburg.

cken. Und er oder siemuss sich gut überlegen, ob der Bootsaus-

flug oder der Strandurlaub mit den Enkeln möglich ist.

Dabei gilt,was BrittaWunderlich,erfahrene DLRG-Schwimmtrai-

nerin, sagt:„Schwimmen lernen kann jeder.“Weder sei ein ärzt-

liches Attest erforderlich noch besondere Sportlichkeit. Es gäbe

auch keine Altersgrenze für die Eroberung des nassen Elements.

ImGegenteil: Gerade für Ältere sei Schwimmen eine großartige

Sportart.„Schwimmen hält fit, entlastet die Gelenke und stärkt

den Kreislauf. Auch Körperfülle spielt keine Rolle. Selbst Überge-

wichtige fühlen sich imWasser wie eine Feder“, soWunderlich.

Es gibt eigentlich nur ein einziges Hindernis, das ältere Nicht-

schwimmer überwinden müssen. Aber dieses Hindernis ist oft

sehr mächtig – Angst.„Diese Angst zu nehmen, den Menschen

klar zu machen, dass Wasser nicht beißt, das ist die Hauptauf-

gabe beimTraining“, sagt BrittaWunderlich. Es sei allemal leich-

ter, die Technik und die Bewegungsabläufe zu lernen, als den

Kopf abzuschalten. Nur deshalb sei das Schwimmen-Lernen im

Alter vielleicht schwieriger als in jungen Jahren, in denen vieles

intuitiver gehe.

Auch Filiz Aksoy hatte Angst vor demWasser. Als sie dann aber

den Kurs bei HeikeMenck begann, verflog dieses Gefühl schnell.

Sie vertraute ihrer Trainerin.„Ich glaube, das ist dasWichtigste“,

sagt Heike Menck, „dieses Vertrauen in die Trainerin oder den

Trainer. Das Gefühl: Sie weiß, was sie tut, denn sie tut nichts,

was sie nicht im Griff hat.“

Einmal in derWoche, zwölf Stunden insgesamt, trainierten die

zehn Frauen unter der Regie von HeikeMenck. Danach konnten

alle schwimmen. Aber die Seepferdchen-Prüfung abzulegen –

das war ihnen dann doch zu albern. Stattdessen gingen sie zu-

sammen essen. Freundschaften entstanden, auch zwischen

Heike Menck und Filiz Aksoy.

Wo gibt es Schwimmkurse für Erwachsene?

Fragen Sie im nächstgelegenen Schwimmbad oder bei

Ihrer Kommune nach, ob solche Angebote im Programm

sind. Bei der DLRG haben Mitglieder die Möglichkeit, Kurse

zu buchen. Der Jahresbeitrag für Mitglieder schwankt in

den Ortsgruppen und liegt zwischen 25 und 75 Euro.

Tipp

Seit dem Schwimmkurs sind Trainerin Heike Menck (li)

und Filiz Aksoy befreundet. Gökhan (8) war der Auslöser

dafür, dass seine Mutter schwimmen lernte.

App „DLRG Info“

Von Mai bis September können (potenzielle) Badegäste schon

zu Hause den Flaggenstatus vieler Strandabschnitte an Nord-

und Ostsee abrufen. Die kostenlose

App „DLRG Info“

zeigt, an

welchen Badezonen die Rettungsstationen bewacht sind.

Möglich macht es die kostenlose App „DLRG Info“ für Android

oder iOS.Weitere Infos auf

www.dlrg.de

Flaggenstatus

DLRG-Flagge

:Wachturm ist besetzt.

Gelb-rote Flagge

: Badezeit,Wasserrettung im Dienst.

Gelbe Flagge

: Schlauchboote, Luftmatratzen etc. dürfen nicht

benutzt werden. Ungeübte Schwimmer müssen vorsichtig sein.

Rote Flagge

: absolutes Badeverbot. Lebensgefahr.

Wasserrettung

im Dienst

Baden und

Schwimmen

gefährlich

Baden und

Schwimmen

verboten

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SI CH E R zuhau s e & un te r we g s

1/2016

Freizeit