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Radverkehr

der Zukunft

In vielen Städten ist man sich sicher: Das Fahrrad ist das Fort-

bewegungsmittel der Zukunft; zwei wichtige Gründe dafür sind

Umweltschutz und Parkplatznot. In den vergangenen Jahren

ist der Anteil von Radfahrern am städtischen Straßenverkehr

schon erheblich gestiegen. Ein positiver Trend mit leider (auch)

negativen Begleiterscheinungen. Die gegebene Infrastruktur

kann das vermehrte Verkehrsaufkommen kaum bewältigen,

und der Anteil der Unfälle mit Fahrradfahrern nimmt stetig zu.

Denn nicht nur die Anzahl an Radfahrern hat sich erhöht, sie

sind auch mit höherem Tempo unterwegs. Das ist besonders

für Senioren ein Risiko, die vermehrt das Rad nutzen oder mit

elektrisch unterstützten Fahrrädern, sogenannten Pedelecs, un-

terwegs sind.

Das sind Ergebnisse einer Studie der Unfallforschung der Ver-

sicherer (UDV). Hierfür wurden 192 Streckenabschnitte in deut-

schen Städten durchVerkehrszählungen undVerkehrsbeobach-

tungen erfasst. Zusammen mit Geschwindigkeitsmessungen

von fast 19.000 Radfahrern wurden die Ergebnisse mit den

Auswertung von Radfahrunfällen der Jahre 2009 bis 2011 abge-

glichen. Gefahren lauern vor allem bei Einmündungen und

Ausfahrten sowie beim Abbiegen oder dem Fahren auf der

linken Seite.

Wie den Anforderungen des erhöhten Radfahreraufkommens

begegnet werden und wie eine verkehrssichere Gestaltung der

Zukunft aussehen kann, erklärt Siegfried Brockmann, Leiter der

UDV, im Interview.

Wie wird sich der Straßenverkehr in Zukunft gestalten, wenn

immer mehr Menschen aufs Rad umsteigen? Eine Untersu­

chung der Unfallforschung der Versicherer (UDV) gibt Ant­

worten für eine verkehrssichere Gestaltung mit Zukunft.

Von Alexandra Ludwig, Journalistin, Hamburg.

Interview mit

Siegfried Brockmann,

Leiter der Unfallforschung

der Versicherer (UDV)

SICHER zuhause & unterwegs:

Die Studie der UDV hat ein erhöhtes Unfallrisiko für Senio­

ren im Radverkehr ergeben. Von welchen Zahlen reden wir?

Siegfried Brockmann:

Jeder zweite getötete Radfahrer sowie

jeder zweite getötete Fußgänger in Deutschland ist über

60 Jahre alt. Auch wenn von Autos die Hauptgefahr ausgeht,

können die sogenannten Alleinunfälle, also ohne weitere

Beteiligte, genauso tödlich ausgehen. Nimmt man Allein-

unfälle und vom Radfahrer verursachte Unfälle zusammen,

haben zwei Drittel aller getöteten Radfahrer ihren Unfall

selbst verursacht.

Wo lauern denn die größten Gefahren für Radfahrer?

Junge Radfahrer, die flott unterwegs sind, benutzen öfters die

Straße, während Senioren eher den Radweg bevorzugen, weil

sie dort weniger mit Autos in Kontakt kommen. Leider ist dort

die Gefahr von Abbiegeunfällen besonders hoch, weil Auto-

fahrer und Radfahrer einander nicht sehen können.

Auf Fahrradstreifen lauert Gefahr durch rechts daneben par-

kende Autos, wo jemand plötzlich die Tür aufreißt und den

Radfahrer dadurch zum Sturz bringt. Daneben nimmt die

Gefährdung durch Ablenkung zu. Es gibt Unfälle, bei denen

SMS-Schreiber auf dem Rad gegen ein parkendes Auto prallen

und sich ernsthafte Verletzungen zuziehen.

Wie kann den Anforderungen des zukünftigen

Radverkehrs begegnet werden?

Vorweg gesagt, infrastrukturelle Änderungen brauchen oft

viel Zeit, weil die Flächen vergeben sind. Vergleichsweise ein-

fach ist es, einen Radstreifen auf der Fahrbahn zu markieren –

sofern die Fahrspuren es zulassen.Wichtig ist, wie wir es beim

Autoverkehr schon immer gemacht haben, die Verkehrsströ-

me zu messen und zu bewerten.Wenn wir wissen, wer wann

wo-hin fährt, können wir die Radverkehrsanlagen an den

richtigen Stellen ausbauen und den Radverkehr auf Fahrrad-

straßen oder durch verkehrsberuhigte Zonen über Nebenrou-

ten führen, die sicherer sind.

Was können veränderte Signalanlagen bewirken?

Intelligente Schaltprogramme können zu mehr Sicherheit

beitragen. Am besten wäre es, Rad- und Autofahrern verschie-

dene Signale zu geben. Also dem Radfahrer grün zu signalisie-

ren, während der Autoverkehr steht. Dann kann man nicht

mehr miteinander kollidieren, vorausgesetzt, dass alle die

rote Ampel auch respektieren.

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SI CH E R zuhau s e & un te r we g s

1/2016

Freizeit