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Informieren Sie sich vorab

Worauf bei der Anschaffung eines Rollators zu achten ist,

weiß Karin Dieckmann. Sie leitet das Beratungszentrum des

Vereins „Barrierefrei Leben“ in Hamburg.

SICHER zuhause & unterwegs:

Was muss ich tun, wenn ich merke, dass ich einen Rollator

brauche?

Karin Dieckmann:

Als Erstes würde ich mich informieren. Im

Sanitätsgeschäft vor Ort, bei Bekannten, die schon einen Rol-

lator haben oder im Internet. Schauen:Was gibt es auf dem

Markt? Und überlegen:Wofür brauche ich den Rollator? Nur

im Haus? Oder überwiegend draußen? Es gibt sehr unter-

schiedliche Modelle.

Und dann lasse ich mir vom Arzt einen Rollator

verschreiben?

Das ist eine Möglichkeit. Alternativ können Sie den Rollator

auch auf eigene Kosten anschaffen. Er kostet zwischen 70

und 500 Euro, je nach Modell und Ausstattung. Auf Rezept

gibt es immer nur die Standardversorgung. Vielen reicht das.

Diese Modelle sind stabil, allerdings nicht klein zusammen-

faltbar. Und das kann wichtig sein für die Frage, wo ich den

Rollator stehen lassen kann. Denn wir hören immer öfter,

dass es Ärger gibt, wenn er im Hausflur steht.

Wenn ich mir nun einen Rollator verordnen lasse –

worauf muss ich achten?

Normalerweise verschreibt der Arzt einen Rollator und

unterscheidet dabei lediglich zwischen zwei Gewichts-

klassen. Nur, wenn Sie eine besondere Behinderung haben

oder schwer beeinträchtigt sind, können Sie ein anderes

Modell bekommen – das sind aber immer Einzelfallent-

scheidungen.

Das heißt, wenn ich ein besseres Modell möchte ...

... müssen Sie zuzahlen. Das Problem ist: Rollatoren sind Leih-

gaben, wenn sie von der Krankenkasse bezuschusst werden.

Wem der Rollator im Endeffekt gehört, wenn Sie einen Teil

selbst bezahlen – das handhaben Krankenkassen und Sani-

tätshäuser nicht einheitlich. Deshalb müssen Sie das unbe-

dingt vor dem Kauf klären. Genauso wie die Frage, wer für

Reparaturen aufkommt. Denn auch das wird unterschiedlich

geregelt.

Gelegentlich verkaufen Discounter Rollatoren.

Was halten Sie von solchen Angeboten?

Eine Kollegin hat damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Aber

beim Discounter gibt es natürlich keine Beratung, es kann

nichts nachgekauft werden, und kein Sanitätshaus wird so

einen Rollator reparieren. Das sollte man bedenken.

Von Elisabeth Hübner, Journalistin, Hamburg.

Interview mit

Karin Dieckmann,

Leiterin der Beratungsstelle

„Barrierefrei Leben“ in Hamburg.

machen. Für den Erwerb des Rollator-Führerscheins wird zum

Beispiel gemeinsamdas Einsteigen in einen Bus geübt. Cornelia

Brodeßer macht dabei sehr eindringlich klar, dass man sich im

Bus nicht auf den Rollator setzen darf.„Das sollte man wirklich

nie machen. Eine scharfe Bremsung – und es gibt kein Halten

mehr.“

ZumTrainingsprogrammgehört auch dasMeistern von Uneben-

heiten und nicht ganz abgesenkter Bordsteine. Denn dafür steht

der Rollator kurz auf nur zwei Rädern. Das ist gewöhnungsbe-

dürftig.

Rollator-Fallen zu Hause vermeiden

Draußen lassen sich viele Hindernisse nicht umgehen. In der

eigenen Wohnung aber schon. Karin Dieckmann vom Verein

„Barrierefrei Leben“ plädiert dabei für rigoroses Wegräumen:

„Wird der Rollator zu Hause benutzt, müssen alle Teppiche

und Läufer mit Kanten vom Boden verschwinden. Sie sind rei-

ne Stolperfallen.“ Gleichzeitig müsse die Wohnung so einge-

richtet und notfalls umgeräumt werden, dass der Rollator

überall gut durchkommt. Auch die Breite der Türen sollte man

schon bei der Anschaffung der Gehhilfe im Blick haben (siehe

Interview).

Sehr gefährlich ist es, Taschen an eine Seite des Rollators zu

hängen. Dadurch kann die Gehhilfe leicht ins Kippen geraten.

Stattdessen sollte, draußen wie drinnen, der fest am Rollator

fixierte Korb für Transporte benutzt werden. Der darf aller-

dings immer nur begrenzt beladen werden,meist mit maximal

vier Kilo.

Für Helga Hilgers ist das kein Problem. Sie geht gern häufiger

einkaufen und hat deshalb nie zu viel zu transportieren.

„Ich freue mich ja, wenn ich jeden Tag eine kleine

Tour machen kann und ein Ziel habe“, sagt sie.

Den Rollator-Führerschein bieten immer mehr

Verkehrswachten in Deutschland an. Ob die

Landesverkehrswacht in Ihrer Nähe dazu

gehört und wo sie sich befindet, erfahren

Sie unter

www.deutsche-verkehrswacht.de .

Außerdem werden in einigen Städten

Rollator-Trainings vom öffentlichen

Nahverkehr angeboten.

Der Verein „Barrierefrei Leben“ berät in

der Richardstraße 45, 22081 Hamburg

und ist im Internet zu finden unter

www.barrierefrei-leben.de

Der Rollator-Führerschein

Cornelia Brodeßer

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SI CH E R zuhau s e & un te r we g s

1/2016

Senioren