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Sicher unterwegs

mit dem Rollator

Das Benutzen eines Rollators will gelernt sein. Experten erklären,

wo Gefahren lauern und wie man das passende Hilfsmittel findet.

Rollatoren sind aus demStraßenbild in Deutschland nicht mehr

wegzudenken.Weit mehr als zwei MillionenMenschen nutzen

sie. Die meisten sind – wie Helga Hilgers – geschwächt vom

Alter und/oder haben Probleme mit der Balance. Richtig ein-

setzt, geben Rollatoren Halt beim Stehen und Gehen. Doch

durch falsche Handhabung, verschlissenes Material oder feh-

lerhafte Einstellungen kann es zu Unfällen und schweren Stür-

zen kommen, die gerade im Alter oft fatale Folgen haben.

Wichtig: die individuelle Anpassung

„Die Mängelquote ist erschreckend hoch“, sagt Cornelia

Brodeßer. Die ehemalige Verkehrswacht-Mitarbeiterin hat den

sogenannten Rollator-Führerschein in Zusammenarbeit mit

ausländischen Experten optimiert und nach Deutschland ge-

bracht. Seit 2011 trainiert sie Seniorengruppen. Und sie schult

Fachleute und Pflegekräfte, die anschließend Trainings in Sani-

tätshäusern oder Seniorenheimen anbieten. Die Nachfrage nach

dem Rollator-Führerschein ist enorm, die Expertin ist über Mo-

nate imVoraus ausgebucht. Natürlich geht es bei diesem Füh-

rerschein nicht um strenge Regeln, eine abschließende Prüfung

oder gar Punkte in Flensburg. Aber so wie das Autofahren ge-

lernt sein will, kann auch das Gehen mit Rollator durch Übung

sicherer werden.

Vor dem ersten Gang muss der Rollator individuell auf seinen

Nutzer oder seine Nutzerin eingestellt werden. Besonders wich-

tig für Sicherheit und Stabilität ist die richtige Griffhöhe. Man

findet sie mittels einer einfachen Faustregel:Wenn der Nutzer

vor demRollator stehend die Arme locker herunterhängen lässt,

sollten sich die Griffe in Höhe der Handgelenke befinden.

Ebenfalls wichtig ist, dass der Nutzer die Bremsgriffe leicht

handhaben kann. Sind die Abstände zu den Handgriffen zu klein,

kann der Rollatorfahrer sich beimBremsen die Finger klemmen.

Zu große Abstände können zu Problemen beimBremsen führen.

Notfalls müssen die Bremsgriffe ausgetauscht werden.

Bremszüge können dann gefährlich werden, wenn sie große

Schlaufen bilden. Die bleiben schnell an einer Türklinke oder

einemVorsprung hängen und bringen dann den Rollator samt

Nutzer ins Wanken. Deshalb sollten solche Schlaufen am Ge-

stänge festgebunden sein. Sind die Einstellungen perfekt,muss

der Umgang mit der Bremse erlernt werden. Dazu gehört, die

Feststellbremse anzuziehen, bevor der Rollator als Sitzgelegen-

heit benutzt wird, um kurz zu verschnaufen. Dieses Feststellen

wird oft vergessen und ist eine große Gefahrenquelle.

Wer die unterschiedlichen Bremstechniken beherrscht, kann

sich an das Überwinden kleinerer und größerer Hindernisse

Helga Hilgers strahlt. Endlich traut sich die Rentnerin aus Büsum wieder auf die Straße. Vor ein paar

Monaten hatte der Arzt ihr einen Rollator verordnet. Doch die Gehhilfe stand die erstenWochen unge­

nutzt in der Garage. Der Grund: Das Sanitätshaus hatte das Hilfsmittel zwar geliefert, der 81-Jährigen

aber nicht gezeigt, wie sie das Gefährt richtig handhaben muss. Erst nachdem ihr ihre Physiotherapeutin

den Umgang mit dem Gerät genau erklärt hat, fühlt sich Helga Hilgers sicherer. Jetzt erledigt sie ihre

kleinen Einkäufe dank des Rollators wieder selbst. „Endlich komme ich mal wieder raus und kann gucken,

was gerade im Angebot ist“, freut sich die Seniorin.

Rollator für den Innenbereich

Rollator mit großem Korb für die Stadt

und zum Einkaufen

Rollator mit großen Reifen zum

Gehen undWandern

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SI CH E R zuhau s e & un te r we g s

1/2016

Senioren