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verträgliche Lärmdosis nach einer halben

Stunde erreicht“, so Brockt. Nach dem

lauten Musikgenuss entsteht eine vorü-

bergehende Vertäubung, die sich oft als

Pfeifton imOhr oder als dumpfes Hörge-

fühl bemerkbar macht. Alles klingt wie

durch Watte, wenn das Gehör über län-

gere Zeit mit mehr als 85 dB(A) beschallt

wurde. Diese zeitweilige Vertäubung bil-

det sichmeistens nach ein paar Stunden

wieder zurück, wenn den Ohren ausrei-

chend lange Ruhepausen gegönnt wer-

den. Haben Ohren diese Ruhepausen

nicht oder häufen sich die Belastungen,

entwickelt sich ein dauerhafter Hörver-

lust. Eine solche Lärmschwerhörigkeit

lässt sich nicht heilen und beginnt meist

damit, dass besonders hohe Töne nicht

mehr wahrgenommen werden. „Dann

lässt sich das Zirpen von Grillen nicht

mehr hören“, erklärt Brockt.

Ein sich anbahnender Gehörschaden ist

jedoch nicht sofort bemerkbar. Die Ver-

schlechterung des Klangbildes ist ein jah-

relanger, schleichender Prozess. Betrof-

fene merken dies meistens erst dann,

wenn sie zum Beispiel eine einzelne

Stimme aus einem Stimmengewirr auf

einer Party nicht mehr herausfiltern kön-

nen und immer häufiger Schwierigkeiten

haben, in lauter Umgebung einer Unter-

haltung zu folgen.

Hörschäden vorbeugen

Es ist wichtig, den Ohren täglich beschal-

lungsfreie Stunden zu gönnen und aus-

reichend lange Lärmpausen einzulegen.

Bereits heute können Jugendliche durch

ihr Verhalten darüber entscheiden, wie

gut sie mit 50 oder 60 hören können.

Das bedeutet nicht das Ende von Club-

besuchen oder den Verzicht auf Smart-

phone oder MP 3 -Player. Es ist auf Konzer-

ten schon selbstverständlich, Gehör-

schutzstöpsel zu tragen. Auf einigenVer-

anstaltungenwerden bereits Stöpsel aus

Schaumstoff verteilt. Für Menschen, die

regelmäßig Konzerte besuchen, gibt es

fertig geformte Gehörschutzstöpsel zum

mehrmaligen Gebrauch, die gut passen

und fest sitzen sollten. Den optimalen

Musikgenuss in HiFi-Qualität bieten in-

dividuell angepasste Otoplastiken, die

den Lärmgut dämmen und trotzdemden

Musikklang originalgetreuwiedergeben.

Gehörschäden lassen sich auch durch

Trinken vermeiden, da die Flüssigkeit das

Blut verdünnt, was die Durchblutung

der Haarzellen in der Ohrschnecke ver-

bessert.

Von Selina Dicke, Mitarbeiterin der Pressestelle der Bundesanstalt für

Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), Dortmund.

Einweg-Gehörschutzstöpsel für

hohe Lärmbelastung aus weichem

PU-Schaumstoff

Individuell angepasste Otoplastiken bie-

ten beides: Gehörschutz und optimalen

Hörgenuss.

In Deutschland haben, so die Deutsche

Gesetzliche Unfallversicherung, etwa

vier bis fünf Millionen Beschäftigte einen

lauten Arbeitsplatz. Die Krankheit Lärm-

schwerhörigkeit gehört zu den am häu-

figsten anerkannten Berufskrankheiten.

Wer darunter leidet, kann nur noch sehr

begrenzt an seiner Umwelt teilhaben,

denn ein Großteil des Konzentrations-

vermögens wird für das Hören benötigt.

Die Lärmschwerhörigkeit wird dann zur

Belastung für das private und berufliche

Leben, wenn etwa kommunikations­

starke Berufe wie Sekretärin, Bankkauf-

frau und Unternehmensberater oder

„Lärmberufe“ wie der des KFZ-Mecha­

nikers nicht mehr ausgeübt werden

können.

Auch im Straßenverkehr oder im Haus-

halt kann es vermehrt zu Unfällen kom-

men. Die Betroffenen überhören Warn-

oder Hinweissignale wie das Hupen und

Heranfahren eines Autos oder das Piepen

des Ofens.

Hörgeräte können einen Hörschaden be-

grenzen und den akustischen Kontakt zur

Außenwelt verbessern.Verschiedene Ge-

rätetypen werden je nach Art der Schä-

digung eingesetzt,wobei heutigeModel-

le oft klein sind und einen hohen Trage-

komfort bieten. Doch auch sie können die

vielfältige Sinnesleistung eines gesun-

den Gehörs nicht wiederherstellen. Des-

halb rät Lärmexperte Brockt Menschen,

die (auch freiwillig) lauten Geräuschen

ausgesetzt sind, zu regelmäßigenVorsor-

geuntersuchungen beim Hals-Nasen-

Ohrenarzt.

Wenn es laut wird, Gehörschutz tragen.

In der Disco oder im Club den Platz vor

den Boxen meiden.

Regelmäßig den Hals-Nasen-Ohrenarzt

aufsuchen.

Stereoanlage, Fernseher, Spielkonsole

und andere häusliche Schallquellen nicht

bis zum Anschlag aufdrehen.

Den Ohren ausreichend MP 3 - und Smartphone-freie Stunden am Tag gönnen.

Nach Lärmereignissen ausreichend lange Pausen einlegen.

Möglichst nur solche Clubs besuchen, die schalltechnisch qualifizierte DJanes

und DJs beschäftigen. Das gesamte wöchentliche Lärmpensummöglichst

nicht überschreiten.

Weitere Informationen zu Lärm und Akustik gibt es im Internetangebot der

BAuA unter der Adresse

www.baua.de/publikationen

. Zudem bietet die BAuA

die Broschüre „

Die tägliche Dröhnung – Gehörschäden durch Musik

“ im PDF-

Format unter

www.baua.de/dok/5193372

an.

So schützen Sie sich vor Lärm

SI CH E R zuhau s e & un te r we g s

1/2015

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Freizeit