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Die Wiesbadener Arzthelferin Elise Rückert möchte etwas für

ihre Gesundheit tun und künftigmit demRad zur Arbeit fahren.

Mehr als 150 Euromöchte sie für den Drahtesel nicht ausgeben,

also soll es ein Gebrauchtrad sein. Möglichst eines, das sofort

fahrbereit ist. Im Internet findet sie die Anzeige: „City-Bike,

21-Gang-Kettenschaltung, top in Schuss“, dazu das Foto eines

roten Damenrads, das ihr auch bei der Probefahrt auf Anhieb

gefällt; es fährt sich leicht, Bremsen und Licht funktionieren.

Rückert kauft das Rad und ist zufrieden.

So sinnvoll es in vielen Fällen ist, ein Rad gebraucht statt neu

zu erwerben – dieser Weg birgt auch Risiken. Daher sollte sich

der Käufer Zeit nehmen. Das rät auch René Filippek, Technikre-

dakteur der Mitgliederzeitschrift des Allgemeinen Deutschen

Fahrrad-Clubs (ADFC).

Finger weg von Diebesgut!

„Die zentrale Frage ist, ob das Rad dem Verkäufer überhaupt

gehört“, so Filippek, denn es ist viel Diebesgut auf demMarkt.

„Lassen Sie sich die ursprüngliche Quittung zeigen“, rät der

ADFC-Mann. Ist die nicht mehr vorhanden, sollte der Verkäu-

fer eine Eigentumserklärung unterzeichnen.„Auch ein schrift-

licher Kaufvertrag ist unerlässlich“, so Filippek. Einen Mus-

tervertrag bietet der ADFC online an. Lehnt der Verkäufer

Formalitäten ab, versucht er eventuell, ein gestohlenes Rad

zu verkaufen.Darauf sollteman sich nicht einlassen,dennwer

ein gestohlenes Rad kauft, wird nicht dessen Eigentümer.

Für die optimale Fahrsicherheit müssen Rahmen und Lenker

intakt sein. „Schaut man frontal auf das Fahrrad“, so Filip-

pek, „sollte der Lenker in einem 90-Grad-Winkel zum Rad

stehen.“ Anschließend betrachtet man die Lenkergabel von

der Seite; sie muss eine Verlängerung des Steuerrohres

sein. Ist das nicht der Fall, kann es sich um ein Unfallrad

handeln. Bei der nächsten Fahrt durch ein Schlagloch

könnte der Rahmen brechen. Tiefe Dellen oder Rost, der

das Material angreift, sind ebenfalls Gründe, ein Rad nicht

zu kaufen.

Der Rahmen muss passen

Stimmen muss auch die Größe. Das lässt sich prüfen,

wennman auf dem Sattel sitzend ein Pedal nach unten

dreht und die Ferse daraufstellt. Das Knie sollte dann

durchgestreckt sein. Der Rahmen muss so beschaffen

sein, dass der oder die Fahrende sich nicht zu weit vor-

beugenmuss, denn das mindert die Kontrolle über Len-

kung und Bremsen. Wer hier sichergehen will, sollte

sein Rad bei einemGebrauchthändler erwerben. Eben-

falls für den Kauf beim Händler spricht die Gewähr-

leistung, denn Händler sind verpflichtet,Mängel, die beimKauf

bestanden haben, bis zu zwei Jahre später noch auszubessern

oder für gleichwertigen Ersatz zu sorgen.

Die nächste Prüfung gilt Schaltung und Kugellager, da ihre

Reparatur teuer werden kann. Haben die Räder seitlich Spiel,

ist die Lagerung nicht in Ordnung. Für die Schaltung gilt, dass

eine gute Kette nicht rasselt und dass es beim Schalten keinen

Leerlauf gibt.

Kleinere Mängel dagegen können in Kauf genommen werden.

Doch lohnt es sich, bei Details genau hinzusehen und beimPreis

zu verhandeln. Ist das Profil der Reifen und Bremsklötze noch

deutlich sichtbar? Greift die Bremse auf Anhieb? Funktioniert

der Dynamo einwandfrei? Wenn ja, fehlt dem künftigen Rad-

besitzer bald nur noch eines: ein sicheres Fahrradschloss.

Ein gebrauchtes Fahrrad zu kaufen, schont den Geldbeutel

und spart Ressourcen. Doch nicht jedes Rad, das auf den ersten

Blick elegant aussieht, ist auch ein sicheres Verkehrsmittel.

Risiko

Gebrauchtrad

von Bettina Weigand, Journalistin, Hamburg.

Der Musterkaufvertrag des ADFC zum kostenlosen

Download:

http://www.adfc.de/fahrradkauf-musterkaufvertrag

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SI CH E R zuhau s e & un te r we g s

1/2015

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